Warum es niemals nur um das geht, um das es augenscheinlich geht. In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ sprechen wir darüber, warum es niemals nur um die Sache als solche geht. Und wir werden uns anschauen, warum Situationen, zum Beispiel zwischen Dir und Deiner Frau eskalieren, die auf den ersten Blick völlig harmlos sind. Und dies ist der dritte Teil der Partnerschaftskommunikationswochen bei „Führung ist ein Kinderspiel“.

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Führungskräfte mit Familie. Hier bespreche ich mit Dir Tipps und Strategien, wie Du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass Du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe Dir, zufrieden mit Deinem Leben zu sein, ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.  

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass Du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute erfährst Du, warum es niemals nur um die Sache als solche geht, um die es augenscheinlich eben geht. Und wir werden uns anschauen, was dazu beiträgt, dass Situationen in der Partnerschaft, mit den Kids oder auch mit den Mitarbeitern eskalieren können, obwohl es auf den ersten Blick um völlig harmlose und belanglose Dinge geht.  

Lass uns ins Thema einsteigen. Das, was ich Dir heute erzähle, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern es stammt von den Psychologen Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun. Vielleicht hast Du von ihnen schon einmal gehört. Ich möchte deren Modelle jetzt nicht in ganzer Tiefe mit Dir erörtern, sondern wir wollen das Ganze möglichst praxisnah machen, damit Du hier in der Kürze der Zeit maximalen Output für Dich mitnehmen kannst. Das Modell der beiden besagt, dass es in jeder Kommunikation unterschiedliche Ebenen gibt, auf denen kommuniziert wird. Und wir wollen uns heute zwei dieser Ebenen anschauen. Das ist zum einen die Sachebene und zum anderen die Beziehungsebene.  

Lass uns kurz klären, was mit diesen beiden Ebenen gemeint ist. Bei der Sachebene geht es darum, worüber derjenige informiert, der gerade etwas sagt. Was sind die Sachinformationen, über die jemand informiert? Was ist der sachliche Inhalt einer Aussage? Auf der Beziehungsebene geht es darum, was ich im Unterton mitschwingen lasse. Und zwar schwingt zum einen immer mit, was ich von meinem Gesprächspartner halte, wie ich ihn einschätze, und ich definiere in jeder Aussage, wie wir zueinanderstehen und wie ich unsere Beziehung definiere. Das schwingt unterschwellig mit und wird häufig ausgedrückt durch die Art der Formulierung, durch die Körpersprache, durch Gestik und Mimik und durch den Tonfall.  

Wenn Du also eine Aussage hörst, ist es total spannend, diese beiden Ebenen sauber zu trennen. Bei der Sachebene ist die Frage, welche Informationen kommen, was ist relevant, was unrelevant? Reicht mir die Menge und die Qualität der Informationen aus? Brauche ich noch weitere Informationen? Das sind die Fragen, die für Dich spannend sind, um die Sachebene herauszufinden, wenn Du der Empfänger einer Nachricht bist. Und auf der Beziehungsebene ist die Frage, was hält derjenige gerade von mir? Finde ich das akzeptabel? Wie sieht er unsere Beziehung? Wie stehe ich gerade zu demjenigen, der etwas sagt? Ist das in Ordnung für mich oder fühle ich mich bevormundet oder schlecht behandelt? Das sind die Fragen auf der Beziehungsebene. 

Damit es nicht zu theoretisch wird, spielen wir das Ganze jetzt mal an einem Beispiel durch. Ich nehme das sehr plakative Beispiel von Friedemann Schulz von Thun aus seinem Buch „Miteinander reden“. Dort nennt er das Beispiel einer Frau, die hinter dem Steuer sitzt, und der Ehemann sitzt daneben. Es gab in meinen Seminaren schon Teilnehmerinnen, die gesagt haben, „Herr Mantel, nehmen Sie bitte sofort ein anderes Beispiel!“ Die kannten das, und zwar als negatives Beispiel. Zurück zum Beispiel. Frau hinter dem Steuer eines Autos, der dazugehörige Mann sitzt daneben. Sie stehen an einer roten Ampel, die Ampel wird grün, und der Mann sagt zur Frau, „Du, da vorne ist grün“. Und jetzt lass uns das mal eben auseinander klabustern. Was heißt das auf der Sachebene, und was schwingt mit auf der Beziehungsebene?

Auf der Sachebene ist es relativ klar, die Sachaussage ist, „die Ampel ist grün, nicht gelbgepunktet und nicht lilagestreift, sondern eben grün“. Was schwingt auf der Beziehungsebene mit? Da könnte die Frau heraushören, „der hält mich für zu doof zum Fahren. Er hält mich für inkompetent.“ „Der hält mich für unkonzentriert. Und er definiert die Beziehung so, als hätte er mir zu sagen, was ich zu tun habe. Er: schlauer Tarzan, ich: doofe Jane.“ Und da merkt man schon, das sind völlig andere Gefühle, die da entstehen, wenn ich mit dem Sachohr höre, als wenn ich mit dem Beziehungsohr höre. Würde die Frau mit dem Sachohr hören, würde sie sagen, „vielen Dank“. Die Frau ist der Meinung, dass es grün ist, und der Mann ist auch der Meinung, dass es grün ist. Ist ja der Hammer, super Partnerschaft, beide sind derselben Meinung! Aber im Regelfall passiert das eben nicht, sondern die Frau hört auf dem Beziehungsohr, sie hört auf der Beziehungsebene, dass sie zu doof zum Autofahren ist. „Du bist zu blöd und unkonzentriert, und ich als Mann habe Dir zu sagen, was Du zu tun und zu lassen hast.“ Und sie wird entsprechend reagieren.

Sie wird dann nämlich sagen, „das habe ich schon selbst gesehen“ oder „dann fahr doch selbst, wenn Du es besser kannst“. Oder „das trifft sich gut, unser Anwalt wohnt zwei Straßen weiter, ich reiche die Scheidung ein“. Was auch immer, sie wird deutlich machen, dass sie dieser Beziehungsdefinition nicht zustimmt. Und das heißt, und so sind wir hier gestartet und so heißt auch der Titel dieser Episode: Warum es niemals nur um das geht, um das es augenscheinlich geht. Hier geht es augenscheinlich um eine grüne Ampel, es geht hier aber natürlich nicht nur um eine grüne Ampel, sondern es geht hier um eine Beziehungsdefinition. Und darin ist richtig, richtig Sprengstoff.  

Das ist blöderweise nicht nur auf Situationen begrenzt, wo Du mit Deiner Frau im Auto sitzt. Wir machen das Ganze einmal andersherum. Eben hat der Mann etwas gesagt, und die Frau hat darauf reagiert. Versetze Dich mal in die Situation hinein, dass Du abends nach einem anstrengenden, richtig anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommst. Meeting über Meeting, Krise nach Krise, Mitarbeitergespräch an Mitarbeitergespräch. Du bist groggy. Du kommst nach Hause, drehst den Schlüssel im Schloss herum und freust Dich auf Deine Frau und die Kinder, von denen Du hoffst, dass sie noch wach sind, weil es mittlerweile kurz nach 20:00 Uhr ist. Du begrüßt Deine Frau, „hallo Schatz, schön, Dich zu sehen“, und Deine Frau sagt zu Dir, „es ist schon kurz nach acht“. So! Kennst Du vielleicht so eine Situation? Oder andere Situation, Du sagst, „am Samstag muss ich nochmal kurz arbeiten gehen. Nur kurz zwei Stunden ins Büro, und dann habe ich für euch Zeit“. Und Deine Frau antwortet, „wir haben schon die letzten zwei Wochenenden ohne Dich verbracht“.

Auf der Sachebene ist klar, was Deine Frau kommuniziert. Im ersten Beispiel sagt sie, dass es schon kurz nach acht ist. Das stimmt, das wirst Du auch so sehen, denn es ist ein Fakt. Und im zweiten Beispiel ist es auch tatsächlich so, denn die letzten beiden Wochenenden hat die Familie ohne Dich verbracht, weil Du durchgepowert hast. Für den wichtigen Kunden war eben ein wichtiges Projekt zu Ende zu bringen. Auch da gibt es auf der Sachebene überhaupt keine Diskrepanzen. Ihr habt einen Konsens. Weshalb triggert Dich das aber an, und Du bekommst einen Hals, vermutlich von hier bis Frankfurt? Weil auf der Beziehungsebene etwas völlig anderes bei Dir ankommt. In dem ersten Beispiel, „es ist schon kurz nach 08:00“ kommt an, „wir sind Dir wohl unwichtig. Die Arbeit ist Dir wichtiger. Du bist ein schlechter Vater. Du bist ein schlechter Ehemann. Du hast wohl Deine Mitarbeiter nicht im Griff?“ All solche Aussagen hörst Du unterschwellig. Und als Beziehungsdefinition hörst Du, „ich habe Dir zu sagen, wann Du zu Hause zu sein hast“.  

Und im zweiten Beispiel mit den Wochenenden ist es eine ähnliche Geschichte. „Du kümmerst Dich nicht richtig um Deine Familie. Wir sind Dir wohl scheißegal. Du bist ein schlechter Vater, Du bist ein schlechter Ehemann. Ich habe es besser im Griff als Du.“ Wenn Du solche Aussagen hörst, sträuben sich Dir die Nackenhaare. Es ist völlig normal, dass wir Menschen diese Beziehungsaussage sehr deutlich hören, in der Partnerschaft noch mehr als im Job, weil wir dort noch verstrickter sind. Aber es ist höchst gefährlich, unreflektiert darauf zu antworten und zu reagieren. Denn wenn wir auf die Beziehungsebene reagieren, öffnet sich ein Tor in die direkte Eskalation. 

Man muss auch ganz ehrlich sagen, dass wir auf der Beziehungsebene interpretieren müssen, das heißt, eventuell hat Deine Frau gar nicht das gemeint, was Du heraushörst. Vielleicht möchte sie einfach nur sagen, dass sie einsam und traurig ist und dass es ihr schlecht geht. Aber das hörst Du nicht, sondern Du hörst einen Vorwurf heraus. Du fängst an, Dich zu verteidigen und zu rechtfertigen, und das ist der absolute Tod einer jeden Kommunikation.

Soweit zur Sachebene und zur Beziehungsebene. Jetzt möchte ich Dich gerne ermutigen, in der nächsten Woche bis zur nächsten Episode darauf zu achten, vor allem in Deiner Partnerschaft, zu unterscheiden, was die Sach- und was die Beziehungsaussage ist. Und wie geht es Dir jeweils, wenn Du mit dem Sachohr oder mit dem Beziehungsohr hörst? Dasselbe kannst Du auch mit Deinen Kids machen, mit Deinem Sohn oder mit Deiner Tochter. Du kannst es auch mit Deinen Mitarbeitern machen, und dazu kann ich Dich nur ermutigen. Viele Probleme mit Mitarbeitern sind Beziehungsstörungen geschuldet. Da geht es schon lange nicht mehr um die Sache, sondern Mitarbeiter reagieren reaktant und machen nicht das, was gefordert ist. Nicht, weil sie die Sache doof finden, sondern weil es eine Störung auf der Beziehungsebene gibt. Und aus meiner Sicht sind diejenigen Führungskräfte gut aufgestellt, die das mitkriegen, denn dann geht es darum, diese Beziehungsstörungen zu klären. Auf der Sachebene wirst Du das niemals, niemals geklärt bekommen.

Und jetzt ganz viel Spaß in den nächsten sieben Tagen mit der Sachebene und der Beziehungsebene. Und ich wünsche Dir ganz viel Spaß in Deinem Führungsalltag und mit Deiner Familie. Dein Stefan Mantel.