Perfektionismus ade. „Was? Ich bin doch kein Perfektionist, ich mach halt einfach keine Fehler!“ In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ möchte ich mit dir darüber sprechen, wann Perfektionismus funktional und wann er dysfunktional ist.

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Väter, die eine Führungsposition innehaben. Hier bespreche ich mit dir Tipps und Strategien, wie du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe dir, zufrieden mit deinem Leben zu sein, ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit dir gemeinsam der Frage nachgehen, wann Perfektionismus hilfreich, also funktional ist und wann er nicht hilfreich, also dysfunktional ist. Lass uns zunächst jedoch schauen, warum Perfektionismus eigentlich ein Problem ist oder weshalb er ein Problem sein kann. Im Berufsalltag benötigen Perfektionisten häufig viel mehr Zeit als ihre Kollegen. Vielleicht hast du schon einmal etwas vom 80/20 Prinzip, vom Pareto Prinzip gehört. Ich will gar nicht näher darauf eingehen, nur so viel sei dazu gesagt: Um eine 80-Prozent-Lösung zu haben, benötigten wir 20 Prozent Zeit. Und um die weiteren 20 Prozent bis zur 100-Prozent-Lösung auch noch zu erreichen, benötigen wir 80 Prozent der Zeit. Perfektionisten brauchen also häufig sehr viel länger als die Kollegen, die nicht so perfektionistisch sind.

Als Führungskraft ist es für solche Menschen häufig schwierig, zu delegieren. Das sind im Regelfall Kollegen, die das Gefühl und den Impuls haben, alles selbst machen zu müssen, damit es richtiggemacht wird. Und um eine dritte Geschichte zu nennen, Perfektionisten haben häufig das Gefühl, nie fertig zu sein, weil die Aufgaben noch nicht so erledigt sind, wie sie es brauchen. Dadurch fühlen sie sich häufig sehr belastet.

Jetzt lass uns anschauen, was der Unterschied zwischen funktionalem Perfektionismus und dysfunktionalem Perfektionismus ist. Entscheidend ist, wie gehe ich mit Misserfolg um? Das ist nämlich das Kriterium, ob mich Perfektionismus krankmacht oder nicht. So lange es mir nur darum geht, mein Bestes zu geben, um viel zu erreichen, ist Perfektionismus überhaupt kein Problem. Wenn ich mir Fehler zugestehe und auch anderen diese Fehler zugestehe, dann ist Perfektionismus wohl eher eine Triebfeder für Leistung. Perfektionismus macht nicht per se krank. Wann ist es aber schwierig mit dem Perfektionismus? Er wird ungesund oder dysfunktional, wenn Menschen nicht mit Misserfolgen umgehen können. Dann wird es schwierig. Und häufig geht das einher mit einem niedrigen Selbstwertgefühl dieser entsprechenden Person, und dann ist Perfektionismus keine Triebfeder mehr, sondern eher ein Vermeidungsverhalten. Ich unternehme dann nämlich alles, um keine Fehler zu machen und mir bloß keine Blöße geben zu müssen. Ich vermeide es, getadelt zu werden, mir Fehler und Schwäche eingestehen zu müssen. Und wenn ich mich gedanklich in diese Situationen hineinversetze, dann machen sie mir bereits jetzt Druck. Und das ist nicht mehr hilfreich, sondern das ist der dysfunktionale Perfektionismus.

Das heißt, Menschen, die den dysfunktionalen Perfektionismus leben, fragen sich häufig, wie sie bei anderen ankommen. Wie sehen mich die anderen? Und das wird schwer. Wenn ich es mal ganz provokant zusammenfasse, dann reduziert diese Form des Perfektionismus den Menschen auf sein fehlerloses Funktionieren. Ein Mensch ist nur etwas wert, wenn er keine Fehler macht und zeigt. Und jetzt bist du als Führungskraft lange genug im Geschäft, und als Vater wirst du eine ähnliche Erfahrung machen, der Mensch, der fehlerfrei ist, der ist mir noch nicht begegnet. Wenn du selbst es sein solltest, dann schreibe mir eine Mail. Wir alle machen Fehler, aber Perfektionisten streben einen fehlerlosen Zustand an oder stehen dauernd unter Druck, diesen fehlerlosen Zustand zu erreichen. Das heißt, es gibt dieses Missverhältnis zwischen dem Zielzustand, fehlerfrei zu sein und dem heutigen Ist-Zustand. Und jeden Tag erleben diese Perfektionisten dieses Missverhältnis, diese Diskrepanz. Und dass das nicht hilfreich sein kann, um seine Führungsrolle und auch seine Vaterrolle gut auszufüllen, das ergibt sich von ganz alleine.

Wenn uns das aber so klar ist, wieso tappen wir dann in diese Perfektionismusfalle? Dazu muss ich erwähnen, dass ich keine analytische Psychologie betreiben möchte, aber das stammt natürlich aus einer sehr frühen Lebensphase. Wir alle haben während unserer Sozialisation gelernt, dass wir durch dritte Personen bewertet werden, durch unsere Eltern, durch Kindergärtner, Lehrer und später durch unsere Peer Group. Und da haben wir erlebt, dass es an Bedingungen geknüpft ist, etwas wert zu sein und okay zu sein. „Du bist nur okay, wenn du dieses oder jenes machst, du bist nur okay, wenn du dich so und so verhältst“. Das ist die ganz gewöhnliche Erziehung. Wenn das jedoch extrem passiert, dann ist das Fatale daran, dass wir alles dafür tun, perfekt zu werden, um dem anderen zu gefallen.

Was kannst du ganz konkret machen, wenn du denkst, dass bei dir zwar nicht jeden Tag ein dysfunktionaler Perfektionismus im Gange ist, du aber im Grunde doch dazu neigst? Ich möchte dir einige hilfreiche Selbstcoachingfragen an die Hand geben. Frage 1: Wenn du vor einer Aufgabe sitzt, frage dich, in welcher Qualität wird die Lösung dieser Aufgabe wirklich benötigt? Es geht nicht darum, welche Qualität du gerne hättest, sondern darum, welche Qualität dein Vorgesetzter wirklich haben möchte. Wenn du für einen Kunden eine Produktpräsentation machen sollst, dann frage dich, in welcher Qualität diese Präsentation benötigt wird.

Lass uns das Beispiel durchspielen, wenn du einen Mitarbeiter hast, der perfektionistisch ist, und zwar dysfunktional perfektionistisch. Mach ihm im Vorfeld klar, in welcher Qualität du die Aufgabe von ihm benötigst und kommuniziere dies genau. Sag ihm, was dir wichtig ist und was dir nicht wichtig ist, denn so machst du es diesem Mitarbeiter sehr viel leichter. In welcher Qualität die Aufgabe benötigt wird, diese Frage stellst du einmal für dich selbst und einmal für den Mitarbeiter.

Frage 2: Welche Konsequenzen könnte es haben, wenn ich dieses Mal nicht die perfekte 100-Prozent-Lösung biete? Was könnten die schlimmsten Konsequenzen sein? Du malst dir ein Worst Case Szenario aus. Es gibt Kollegen, die sagen, „ich werde einen Teufel tun, Mantel, denn dann wird alles nur noch schlimmer“. Meiner Erfahrung nach ist das Gegenteil der Fall, denn wenn du dir diese Frage stellst, dann wirst du dir sagen müssen, „also gut, ich werde wahrscheinlich nicht versterben, auch meine Frau und meine Kinder werden das Ganze überleben. Weder verliere ich mein Haus noch mein Auto, und vermutlich werde ich noch nicht einmal gekündigt.“ Ich weiß nicht, was für dich konkret das Schlimmste wäre, vielleicht, dass dein Vorgesetzter unzufrieden mit dir ist oder dass du einen Auftrag eines Kunden verlierst. In diesen Fällen kannst du dir immer noch überlegen, was du tun kannst, um die Konsequenz möglichst zu verhindern. Spiele ein solches Worst Case Szenario durch, um der ganzen Situation die Schärfe zu nehmen. Ich glaube, unser Gehirn spielt uns in diesen Situationen einen Streich und tut so, als ginge es um Leben und Tod.

Dann frage dich, wie könnte eine 80-Prozent-Lösung aussehen? Ich erinnere an den Beginn der Podcastfolge, als wir über das Pareto Prinzip gesprochen haben, wie könnte eine 80-Prozent-Lösung aussehen? Es geht nicht darum, dass du diese Lösung umsetzt, sondern es geht zunächst darum, dass du dir überhaupt erlaubst, in 80-Prozent-Lösungen zu denken. Und dann kannst du entscheiden, machst du die 80 oder die 100 Prozent? Denke dran, die 80-Prozent-Lösung benötigt im Regelfall 20 Prozent der Zeit, also ein Fünftel, und die 100-Prozent-Lösung braucht eben 100 Prozent der Zeit. Und da entscheidet man sich doch manchmal für die 80- oder vielleicht für die 85-Prozent-Lösung.

Und die vierte Frage lautet: Welche Auswirkungen hat dein perfektionistisches Verhalten auf deine Motivation, auf dein Wohlbefinden, auf deine „Work Life Balance“ und deine Lebensqualität? Führe dir bewusst die Kosten dieses Perfektionismus vor Augen, denn auch das hilft manchmal.

Und noch ein kleiner Extratipp: Setz dir im Vorfeld ein Zeitlimit für eine Aufgabe. Wenn du es halbwegs klar hast, welche Lösung du präferierst, sei es die 70-, 80- oder die 90-Prozent-Lösung, dann schätze im Vorfeld ab, wie viel Zeit du dafür brauchst. Und dann halte dich daran. Viele Perfektionisten melden mir zurück, dass auch das helfen kann.

Noch einmal zusammengefasst die vier Selbstcoachingfragen:

In welcher Qualität wird diese Aufgabe benötigt?

Welche Konsequenzen könnte es haben, wenn ich dieses Mal nicht die perfekte 100-Prozent-Lösung bieten kann?

Wie könnte eine 80-Prozent-Lösung aussehen?

Und die Frage nach den Kosten, welche Auswirkungen hat mein Perfektionismus auf mein Wohlbefinden und auf meine Lebensqualität?

Und der Extratipp, setz dir im Vorfeld ein Zeitlimit.

Und jetzt wünsche ich dir eine ganz, ganz tolle, absolut unperfekte Woche, und ich freue mich, wenn wir nächsten Montag wieder voneinander hören. Dir bis dahin eine jute Zeit, dein Stefan Mantel.

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