Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Führungskräfte mit Familie. Hier bespreche ich mit Dir Tipps und Strategien, wie Du Karriere und Familie unter einen Hut bekommst, ohne dabei auszubrennen oder die Karriere aufs Spiel zu setzen. Wir machen hier aus gestressten Vorgesetzten und frustrierten Ernährern souveräne, gelassene Führungskräfte und zufriedene Papas.

Hallo und herzlichen willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass Du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. „Was die da machen, ist ja mal wieder typisch, die wissen doch gar nicht, wie es bei uns aussieht!“ Und ob mit „die da“ die Politiker, die Geschäftsführung, die eigenen Mitarbeiter, die Frau oder die eigenen Kinder gemeint sind, das ist relativ austauschbar, denn das Spiel ist immer dasselbe: Du machst Dich zum Opfer! Es gibt nur zwei Optionen im Leben, entweder, Du bist auf der Seite der Macht oder Du bist auf der Seite der Ohnmacht. In jeder Situation gibt es beide Seiten, und Du allein entscheidest, auf welcher Seite Du stehen möchtest.  

Ein Beispiel aus dem Berufsalltag gefällig? Dein Mitarbeiter hat die Präsentation für die Geschäftsführung zum dritten Mal nicht wie gewünscht vorbereitet. Die Seite der Ohnmacht sagt, „es ist unglaublich, jetzt habe ich schon mehrfach erklärt, wie die Präsentation für die Geschäftsführung aussehen soll, und er versteht es immer noch nicht. So ein Mist!“ Die Seite der Macht hingegen sagt, „Moment mal, was kann ich jetzt konkret tun, damit er in Zukunft genau weiß, was ich erwarte und was die Geschäftsführung erwartet? Wie muss ich mit ihm kommunizieren, damit er das endlich versteht? Hat er ein Können-Problem oder ein Wollen-Problem?“

Ein Beispiel aus dem Privatleben gefällig? Fast jeden Morgen endet das Anziehen Deines dreijährigen Sohnes wird einem Riesengeschrei. Auch das Frühstück ist totaler Stress, und wenn Du ihn in der Kita abgegeben hast, bist Du fix und fertig und hast Dein Tagespensum, energetisch gesehen, schon hinter Dir. Die Seite der Ohnmacht denkt, „das ist ein unmögliches Kind. Wie kann man nur so ungezogen sein?“ Die Seite der Macht denkt, „Moment mal, was kann ich morgen früh an meinem Verhalten ändern, damit es meinem Sohn besser gelingt, sich auf das Anziehen einzulassen? Was muss ich anders machen? Welches Bedürfnis beim Frühstück habe ich heute nicht beachtet, so dass die Situation eskalierte?“ 

Du erkennst das Muster dahinter. Wichtig ist, dass es beide Möglichkeiten gibt, und Du entscheidest Dich, auf welcher Seite Du stehen willst. Du kennst diese Leute sicher auch aus Deinem Umfeld, die sich immer wieder in die Opferrolle begeben. „Da kann man nichts machen, die da oben, die da unten, die da rechts und die da links, meine Frau, ich habe es schon Hundertmal versucht. Es geht nicht.“ Ich kann nichts machen, und ich bin ein Opfer der Umstände, das ist das Spiel, was hier gespielt wird. Und infolge dessen siehst Du nur noch den Bereich, auf den Du keinen Einfluss hast, auf Deine Mitarbeiter, auf Deinen Chef, Dein Kind und Deine Frau. Du hast zumindest nur einen indirekten Einfluss darauf und spürst eine gewisse Hilflosigkeit. Ich nenne das immer den „Jammer-Bereich“, den es in jeder Situation gibt. Ich kann nicht alles so verändern, wie ich es möchte. Ich lebe nicht im luftleeren Raum und kann mir meine Traumschlösser bauen.

Aber es gibt auch immer den anderen Bereich, nämlich Deinen Einflussbereich und Deinen Handlungsbereich. Und wenn wir jetzt nochmal zu dem Beispiel des Mitarbeiters zurückgehen, der es beim dritten Erklären noch nicht versteht, da finde ich, könntest Du Dich fragen, ob Du es vielleicht einfach scheiße erklärt hast. Oder ist das jemand, bei dem es gar nicht darum geht, dass er es nicht kann, sondern dass er ein Motivationsproblem hat. Vielleicht möchte er gar nicht, und es geht ihm am Arsch vorbei, mal unter uns gesagt. Dann brauchst Du ihm das nicht zum dritten, vierten, fünften oder zehnten Mal zu erklären, denn dann sind andere Gespräche notwendig. Dann machst Du in dieser Situation das Falsche, und das ist Dein Einflussbereich.

Zurück zur Situation mit Deinem dreijährigen Sohn. Natürlich kann man auf den Sohn schimpfen, wobei man sich auch fragen kann, wer hat ihn denn bisher erzogen? Aber gut, das ist ein anderes Thema. Natürlich hängt das zum großen Teil von Dir als Erwachsener ab, welche Rahmenbedingungen Du schaffen kannst, damit ihr möglichst entspannt durch den Vormittag, durch die morgendlichen Situationen surfen könnt. Das heißt nicht, dass es nie Ausraster geben kann, das ist auch Quatsch. Aber wenn es jeden Morgen zu solchen Situationen kommt, dann ist Deinem Einflussbereich schon eine große Möglichkeit da, etwas zu verändern.

Jetzt kann sich fragen, warum neigen wir dazu, immer in den Jammerbereich und in die Hilflosigkeit zu gehen? Das ist eine ganz spannende Geschichte. Wir Menschen neigen tatsächlich dazu, negative Entwicklungen oder den Beginn negativer Entwicklungen beim anderen zu sehen. So müssen wir nämlich weniger Verantwortung übernehmen, wenn Dinge nicht gelingen. Wir erleben uns also eher als Reagierender denn als Agierender. Paul Watzlawick, ein bekannter Psychologe und Kommunikationsforscher, hat gesagt, dass jede Kommunikation immer zirkulär ist. Das heißt, das Verhalten des einen bedingt das Verhalten des anderen, und daraufhin bedingt wiederum das Verhalten des anderen das Verhalten des einen. Es ist wie ein Kreis.

Du bist genervt und bölkst Deine Frau an. Dadurch zieht sich Deine Frau zurück, und Du bölkst noch mehr. Oder Deine Frau meckert immer, weil Du zu spät von der Arbeit kommst. „Schon wieder so spät, Schatz!“ Daraufhin denkst Du am nächsten Tag auf der Arbeit, „wenn ich jetzt nach Hause fahre, meckert sie wieder. Ich mache lieber noch fünf Minuten länger, da habe ich hier noch meine Ruhe.“ Daraufhin meckert Deine Frau noch mehr, und dann bleibst Du tendenziell noch länger auf Arbeit oder ziehst Dich immer mehr zurück. Würde man Deine Frau fragen, was los ist, würde sie sagen, dass sie ab und zu etwas sagt, weil Du immer so lange auf Arbeit bleibst. „Gut, man könnte es als Meckern auffassen, aber würde er nicht so lange auf Arbeit bleiben, müsste ich nichts sagen.“ Und würde man Dich dazu befragen, was bei euch los ist, dann würdest Du erklären, „Sie müssen wissen, meine Frau, die meckert immer zu Hause. Würde sie sich freuen, wenn ich nach Hause komme, dann würde ich sicher gerne früher kommen. Aber so, nein, das macht keinen Sinn.“

Lange Rede, kurzer Sinn, Du siehst den Grund für eine negative Entwicklung oder für eine negative Kommunikation immer beim anderen. Und das lässt uns in die Opferrolle gehen. Jetzt kann man sowieso schon sagen, wenn ihr das Thema bearbeiten wolltet, es ist völlig egal, wo es seinen Anfang genommen hat. Das kann man sowieso nicht mehr feststellen, und außerdem sieht das jeder anders. Es ist auch völlig irrelevant für die Lösung des Problems. Nur weil Du weißt, wie der Karren in den Dreck gekommen ist, hast Du noch lange keine Ahnung, wie Du den Karren wieder rausbekommst. Deshalb kümmere Dich nicht darum, wie er dort hineingekommen ist, sondern kümmere Dich darum, wie er wieder rauskommt.

Wir machen uns zum Opfer und damit den anderen zum Täter. Das ist zunächst eine sehr komfortable Situation, aber es macht uns nicht zum Gestalter unseres Lebens. Die Täter, die Mächtigen, das sind die Gestalter. Die Agierenden, das sind die Gestalter, und nicht die Opfer, die Ohnmächtigen und die Reagierenden. Was kannst Du also tun? Übernimm die maximale Verantwortung für jegliche Situation! Frag Dich in jeder Situation, besonders in denjenigen, wo etwas richtig schiefgelaufen ist, was Dein Anteil an dieser Situation ist. Und nur noch, ich betone, nur noch diesen Anteil betrachtest Du.  

Beschäftige Dich nur noch mit Deinem Handlungsbereich und nicht mehr mit Deinem Jammerbereich. Ich weiß, das ist harter Tobak, denn das heißt auch, dass Du selbst einen großen Anteil an der Entstehung des Problems hast. Aber selbst schuld zu sein ist das Beste, was Dir passieren kann, denn nur dann, wenn Du selbst Verantwortung für die Situation übernimmst, kannst Du etwas ändern. Und das ist der Shift hin zum Gestalter Deines Lebens. Das gilt sowohl im Umgang mit Deinen Mitarbeitern, mit Deinem Chef als auch im Umgang mit Deiner Frau und Deinen Kindern.

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine ganz, ganz tolle Woche. Probier mal, ob Du diesen Mindshift hinbekommst, Dich besonders in den schwierigen Situationen als Gestalter Deines Lebens zu fühlen und Dich zu fragen, was Dein Anteil an dieser Situation ist. Und dann kannst Du schauen, wie Du das verändern und zum Positiven drehen kannst, indem Du Deinen Anteil dafür nutzt.

Ich wünsche Dir viel Erfolg im Job und viel Spaß mit Deiner Family. Dein Stefan Mantel.