Heute möchte ich mit Dir darüber sprechen, warum Du vermutlich auch ein Leben führst, das viel zu viel im Liveticker-Modus ist.  

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Führungskräfte mit Familie. Hier bespreche ich mit Dir Tipps und Strategien, wie Du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass Du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe Dir, zufrieden mit Deinem Leben zu sein, ohne ein schlechtes Gewissen Deinen Kindern und Deiner Frau gegenüber haben zu müssen.

Hallo und herzlich willkommen. Hier ist wieder Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass Du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich Dir zwei Fragen an die Hand geben, die für den Umgang mit Informationen hilfreich sind, um nicht dauerhaft im Liveticker-Modus leben zu müssen. Liveticker-Modus, Tageszeitung oder Wochenzeitschrift, wie sieht Dein Leben aus? Lass uns definieren, was der Liveticker-Modus ist. Vielleicht kennst Du Liveticker. Wenn Du auf Internetseiten von Zeitungen bist oder N24 im Fernsehen schaust, dann siehst Du eine Banderole, meist unten auf dem Bildschirm, wo die neuesten Meldungen durchlaufen. „Wieder eine Bombe explodiert“, „dort gab es eine Hausdurchsuchung“, „in Berlin wurde eine Hausbesetzung aufgelöst“, was auch immer. Meist sind es nur wenige Worte pro Meldung, und die läuft relativ zeitnah durch. Wenn jetzt irgendetwas passiert, kannst Du dir ziemlich sicher sein, dass es wenige Minuten später im Lifeticker angezeigt wird.

Wann macht ein Liveticker-Modus Sinn, und für wen macht er überhaupt Sinn? Er macht natürlich für alle Leute Sinn, die Informationen schnell brauchen, also Berufsgruppen wie Feuerwehren, Rettungssanitäter, Notärzte oder Ärzte im Krankenhaus. Wenn ein Haus brennt, wäre es wichtig, dass die Feuerwehr sehr schnell weiß, dass dieses Haus brennt. Eine Woche später braucht sie die Meldung auch nicht mehr. Das heißt, der Liveticker-Modus ermöglicht, dass Du immer über alles informiert bist. Und das ist im Leben oft auch wichtig, und wie gesagt, besonders für bestimmte Berufsgruppen auch essentiell.

Das Problem an diesem Liveticker-Modus ist jedoch, dass Du Informationen mit wenig Detailtiefe bekommst. Da steht nicht, welcher Konflikt hinter diesem Bombenattentat steckt oder warum eine Situation politisch eskaliert ist. Das sind nur drei, vier, fünf oder sechs Schlagworte. Du bekommst wenig Details, und Du befindest Dich in einem Reaktionsmodus. Es kommt das rein, was reinkommt, Du hast keinerlei Einfluss darauf. Das heißt, Du erlebst wenig Selbstbestimmung oder Selbstwirksamkeit. Und wenn Du Dich mit Neurobiologie auskennst, dann weißt Du, dass das unser Hirn leicht in Stress versetzt. Bei vielen Umfragen von Führungskräften ist es ein Riesenthema, dass man keine Selbstbestimmung, sondern Fremdbestimmung erlebt. Ich erlebe keine Selbstwirksamkeit, und ich befinde mich dauernd in einem Reaktionsmodus, und das erzeugt Stress, mit all den Folgen, die das haben kann.

Das Gegenteil davon ist der Wochenzeitschriftmodus. Wochenzeitschriften kennst Du, Spiegel, Stern, Brand Eins und wie sie alle heißen. Das sind Zeitschriften, die häufig thematisch sind und die wöchentlich oder noch seltener herausgegeben werden. Dafür haben sie aber eben eine hohe Detailtiefe, da geht ein Artikel über fünf oder sechs Seiten. Man setzt sich sehr mit den Hintergründen auseinander, mit Zahlen, Daten, Fakten. Man interpretiert und überlegt in verschiedene Richtungen. Das hat also eine hohe Detailtiefe. Wenn Du einen solchen Artikel liest, bist Du sehr drin in dieser Thematik. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass Du im „Flow-Zustand“ bist, aber man beschäftigt sich wirklich sehr, sehr intensiv mit einem Thema. Man erlebt sich im Aktionsmodus, denn man hat es sich selbst ausgesucht, „heute, Sonntag, setze ich mich hin und beschäftige mich damit.“ Man erlebt sich als selbstbestimmt und selbstwirksam.

Problematisch ist allerdings, dass es einen großen Zeitverzug gibt vom Ereignis bis zu dem Moment, in dem ich diese Wochenzeitung lese. Die beschäftigt sich dann mit Themen, die vor zwei Wochen schon aktuell waren. Das ist völlig anders als beim Liveticker. Und auch hier gibt es wieder Berufsgruppen, die das per se haben, solch einen Wochenzeitschriftmodus, beispielsweise Programmierer und Buchautoren. Du schreibst kein Buch, wenn Du dauernd unterbrochen wirst, sondern Du musst Dich in Dein Buch richtig reinversetzen. Das ist ein völlig anderer Zustand als der Liveticker-Modus.

Und wir als Führungskräfte und Väter sind sehr häufig im Liveticker-Modus. Als Führungskraft erlebst Du, dass hier ein Mitarbeiter kommt und dort das Telefon klingelt. Die Mail ploppt auf, und dann vibriert noch das Handy, weil wieder eine WhatsApp eingegangen ist. Das heißt, wenn wir nicht aufpassen, sind wir dauerhaft in einem Reaktionsmodus. Und das wird häufig als Beschleunigung in unserer Zeit erlebt. Alles wird schneller. Und natürlich sind mittlerweile auch Informationen durch Internet, Smartphone und was weiß ich alles immer verfügbar. Das war früher anders, da musstest Du nach jeder Information gieren, wenn ich beispielsweise an die Achtzigerjahre, an meine Jugend zurückdenke. Das ist heute völlig anders, aber das heißt doch bitteschön nicht, dass wir dem hilflos ausgeliefert sind, sondern es geht darum, bewusst zu wechseln zwischen diesen beiden Modi. Wir hatten das in einer anderen Episode auch schon einmal kurz, da haben wir das „Manager und Maker-Modus“ genannt.  

Und jetzt die zwei Fragen, die ich Dir zum Umgang mit Informationen versprochen hatte. Diese zwei Fragen kann man sich wie zwei Siebe vorstellen, durch die Informationen durchgesiebt werden. Frage 1, was hat für mich Relevanz, also, was ist für mich wichtig? Die Frage dahinter: Welcher Information räume ich eine solche Wichtigkeit ein, dass ich mich mit ihr beschäftige beziehungsweise, dass ich ihr erlaube, zu mir durchzudringen? Ich finde, das ist eine ganz tolle Frage, weil sie etwas damit zu tun hat, wie wichtig ich mich selbst nehme. Wenn Du eine Sekretärin hast, die alle Leute zu Dir durchlässt, dann werden Dich Deine Leute eher als unwichtig erleben. Wenn sie aber abblockt, dann wirst Du eher als wichtig erlebt. Das heißt natürlich nicht, dass man keinen Kontakt mit seinen Mitarbeitern haben soll, Bullshit! Aber Du weißt, was ich meine.

Ich wiederhole die Frage nochmal. Welcher Information räume ich eine solche Wichtigkeit ein, dass ich ihr erlaube, zu mir durchzudringen? Mit dieser Frage kann man sich mal in einer ruhigen Minute beschäftigen. Und Du wirst merken, dass viele Informationen gar nicht so wichtig sind, dass sie zu Dir durchdringen sollten. Alles, was zu Dir durchdringt, zerrt Dich weg von Deinem eigentlichen Fokus. Und ohne Fokus wirst Du niemals, niemals produktiv arbeiten können. Und wenn wir die Wichtigkeit geklärt haben, fällt wahrscheinlich die Hälfte aller Informationen weg, die Du nicht brauchst, weil sie keine Relevanz für Dich und Dein Leben haben. 

Frage 2 lautet, was hat für mich jetzt im Moment Relevanz? Also nicht die Wichtigkeit, sondern die Dringlichkeit. Oder anders gefragt, wann hat diese Information eine Relevanz für mich? Und auch da wirst Du merken, Du brauchst die wenigsten Informationen in Echtzeit, im Liveticker-Modus. Wenn einer meiner Mitarbeiter auf der Arbeit tödlich verunglückt, dann würde ich das sehr zeitnah wissen wollen, das ist klar. Und bei Atomkriegen fände ich es auch spannend, relativ zeitnah informiert zu werden, damit ich überlegen kann, was zu tun ist. Aber viele der Informationen brauchst Du nicht jetzt sofort. Deshalb prüfe, wann Du Dich mit ihnen beschäftigen möchtest.  

Das sind die zwei Siebe, durch die alle Informationen durchgesiebt werden. Was hat für mich überhaupt Relevanz? Sieb 1. Und Sieb 2, wann hat das für mich eine Relevanz, wann möchte ich mich damit beschäftigen?

Sehr hilfreich erlebe ich diese Fragen immer wieder in Coachings, wenn Kollegen dann in den Alltag gehen, die das Gefühl haben, dass sie mit Informationen bombardiert werden. Hier „bing“, da „bong“, und dort ist auch noch was. Bei jeder Information also einmal nachzudenken, will ich das überhaupt wissen beziehungsweise, wann möchte ich das wissen? In Deinem Arbeitsbereich kannst Du das installieren. Selbst in Deinem Privatleben kannst Du es installieren. Du kannst mit den Menschen absprechen, wann Informationen zu Dir kommen sollen. Und manchmal musst Du auch nur Deine technischen Geräte entsprechend einstellen. Ich würde mich fragen, ob ich WhatsApp so eingeschaltet haben muss, dass es immer vibriert oder ob ich sage, ich gucke dreimal am Tag drauf. Dasselbe Spiel mit Mails. Ich weiß nicht, wer noch so wahnwitzig ist und seine Mails in Echtzeit aufploppen lässt. Es soll solche Kollegen geben! Da kann ich nur den Tipp geben, schalte es ab und genieße anteilig diesen Wochenzeitschriftmodus.

Jut, okay, soweit erstmal zum Thema „Liveticker, Tageszeitung oder Wochenzeitschrift“. Ich wünsche Dir eine ganz, ganz tolle Woche. Wenn Du das Gefühl hast, Du wirst mit Informationen bombardiert, dann mach Dir den Spaß und frage Dich bei jeder Information, ob Sie überhaupt wichtig für Dich ist, und als zweite Frage, wann Du Dich eigentlich damit beschäftigen möchtest.  

In diesem Sinne, Dir eine ganz, ganz tolle Woche, und wir hören uns am nächsten Montag wieder. Dir bis dahin eine ganz, ganz tolle Zeit. Dein Stefan Mantel.