Entscheidest du schon oder merkelst du noch? In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ möchte ich mit dir darüber sprechen, warum wir Väter uns immer wieder hinter angeblichen Zwängen wie „das geht leider nicht anders“ verstecken.

Willkommen zu Führung ist ein Kinderspiel, der Podcast für Väter in verantwortungsvollen Führungspositionen. Hier bespreche ich mit dir Tipps und Strategien, wie du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe dir, zufrieden mit deinem Leben zu sein, ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit dir der Frage nachgehen, warum wir Väter und Führungskräfte uns immer wieder hinter angeblichen Zwängen „so und nicht anders geht das, da kann ich leider wirklich nichts machen“ verstecken. Vielleicht hast du den Titel der Folge gar nicht verstanden, „entscheidest du schon oder merkelst du noch“. Was es mit dem „merkeln“ auf sich hat, das wird im Laufe dieser Folge deutlich werden.

Stell dir aber bitte einmal die folgende Situation vor. Dein sechsjähriger Sohn fragt dich, ob du ihn nächste Woche Donnerstag am späten Nachmittag zum Fußballtraining begleiten kannst. Er möchte dir unbedingt mal zeigen, wie gut er mittlerweile spielen kann. Du sagst zu ihm, „sorry, aber das geht leider nicht. Ich bin im Moment für ein großes Projekt verantwortlich, und das kostet mich wirklich viel, viel Zeit. Und deshalb muss ich leider im Moment immer länger arbeiten.“ „Gibt es da keine Möglichkeit, kannst du nicht doch? Papa, nur an dem einen Donnerstag“, fragt dein Sohn. „Nee, leider nicht, das geht im Moment wirklich nicht anders.“ Kennst du solche Situationen auch? Lass uns mal eine ganz andere Situation nehmen, und zwar, ein Journalist fragt unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, „warum haben Sie in dieser Sache so entschieden?“ Und Angela Merkel hat mehrmals gesagt, „diese Entscheidung war alternativlos“. Keine Frage, ich finde einige Entscheidungen von Angela Merkel gut, andere überhaupt nicht, aber darum geht es hier nicht. Worum es mir geht: Eine Entscheidung kann per Definition niemals alternativlos sein, sonst wäre es nämlich keine Entscheidung. Und das ist bei Angela Merkel ebenso wie bei dir und eben auch in der Situation mit dem sechsjährigen Sohn.

Mir geht es nicht darum, irgendjemanden an den Pranger zu stellen, weder Väter noch die Bundeskanzlerin. Es ist völlig in Ordnung, wenn man sich für eine Geschichte entscheidet, wenn man sich wie Angela Merkel für oder gegen etwas entscheidet. Und es ist Ordnung, wenn sich ein Vater dafür entscheidet, länger zu arbeiten anstatt seinen Sohn zum Fußballtraining zu begleiten. Aber erzähle ihm nicht, es gäbe keine Alternative.

Und jetzt meine Frage, wann merkelst du und verkaufst dir selbst und anderen eine Entscheidung als alternativlos? Wenn du zu deinen Kindern sagst, „auf meiner Position als Geschäftsführer muss man so viel arbeiten, das geht nicht anders!“, dann hast du zu hundert Prozent gemerkelt. Top! Wenn du behauptest, „diese Aufgabe kann ich nicht delegieren, die muss ich selbst machen. Ich habe keine Mitarbeiter dafür, es geht nicht anders“, dann hast du super gemerkelt. Oder wenn du zu deiner Frau sagst, „am Wochenende kann ich mein Handy nicht ausschalten. Ich muss 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche erreichbar sein, das wird einfach von mir erwartet“. Auch hier herzlichen Glückwunsch, super gemerkelt.

Wo entscheidest du also, und wo merkelst du? Das ist eine ganz spannende Frage, denn zum einen verkaufst du deinem Gegenüber eine Entscheidung als alternativlos, das ist die eine Sache. Aber du erlebst es auch selbst so, denn sonst würdest du diese Worte nicht wählen. Und wenn ich das Gefühl habe, dass ich selbst keine Entscheidungsbefugnis und keinen Entscheidungsrahmen für irgendetwas habe, dann macht das Menschen Stress und Druck. Und genau das sagen Führungskräfte immer wieder in Untersuchungen, dass sie sich gestresst und unter Druck gesetzt fühlen. Aber das liegt, plakativ gesagt, an großen Teilen an dir selbst. Wo erlebst du Entscheidungsspielraum, und wo nicht? Wo gibst du selbst und freiwillig das Steuer ab, das Steuer deines Lebens? Wo wechselst du vom Fahrersitz auf den Beifahrersitz deines Lebens? Wo wirst du vom Handelnden zum Behandelten? Oder wo machst du dich eben dann freiwillig zum Opfer?

Das Ganze kann man noch weiterspinnen. Der Worst Case ist, dass wir etwas als alternativlos erleben. Häufig spüren wir dabei auch ein Dilemma. Ich könnte dieses oder jenes tun, und mit keiner der Alternativen geht es dir gut. Und auch da würde ich sagen, auch das ist nur ein Glaubenssatz, dass es ein Dilemma gibt. Es gibt immer, und ich betone nochmals immer mehr als zwei Möglichkeiten, um zu handeln. Wir hatten das bereits in der einen oder anderen Podcastepisode. Ein Dilemma erzeugt Stress. Und wenn du das Gefühl hast, nur zwischen zwei Möglichkeiten, zwischen Pest und Cholera wählen zu können, dann setz dich ruhig hin, atme tief durch, gehe in dich und überlege dir eine dritte und eine vierte Handlungsmöglichkeit. Denn erst ab der dritten Handlungsmöglichkeit entsteht wirkliche Wahlfreiheit.

Ich weiß nicht, ob du dieses kleine Spielchen kennst, ein durchaus ernsthaftes Coaching Tool, das sich „Tetralemma“ nennt. „Dilemma“ von „zwei“ und „Tetralemma“ von „vier“. Wenn du zwei Möglichkeiten siehst, zu handeln, dann hast du die eine und die andere Möglichkeit. Und jetzt überlege dir, welche dritte Möglichkeit es gibt, die beides miteinander vereint, also sowohl das eine als auch das andere. Und welche vierte Möglichkeit gibt es, die keines von beidem ist? Damit hast du plötzlich vier Möglichkeiten. Es würde jetzt etwas zu weit gehen, in die Tiefen der Tetralemma Coaching Arbeit einzutauchen, aber ich möchte, dass du diesen Begriff einmal gehört hast und schaust, auf welche Situationen du diese Idee anwenden kannst. Möglichkeit 1), das eine, Möglichkeit 2), das andere, Möglichkeit 3), sowohl das eine als auch das andere und Möglichkeit 4), keines von beidem.

Und um jetzt noch den Gehirnschmalz anzuregen, möchte ich dir erzählen, dass es beim Tetralemma noch eine fünfte Alternative gibt. Die heißt: all das nicht, und selbst das nicht! Und jetzt haben wir einen richtigen Knoten im Kopf, den wir ohne ein entsprechendes Setting kaum gelöst bekommen. Ich finde, dass dies ein ganz spannender Ansatz ist, weil es uns nochmal mehr deutlich macht, dass es immer mehr als eine Alternative gibt. Und es gibt auch immer mehr als zwei Alternativen.

Und jetzt möchte ich dich in diese Woche entlassen. Achte mal darauf, wie du Entscheidungen vor dir und anderen verkaufst. Entscheidest du schon und stehst zu deiner Entscheidung? Hast du also den Arsch in der Hose zu sagen, „ich habe mich hierfür entschieden und dagegen“ oder merkelst du noch und verkaufst dir und anderen deine Entscheidungen als alternativlos?

Ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei, einmal darauf zu achten. Und ich freue mich, wenn wir uns am nächsten Montag wiederhören. Dir bis dahin eine janz, janz tolle Zeit. Dein Stefan Mantel.

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