„Was? Die DSGVO, ist das nicht so ein komisches Gesetz der EU? Was hat das jetzt bitte mit meinem Führungsalltag zu tun?“  

Das werden wir klären, ich möchte nämlich heute mit Dir darüber sprechen, was mir in den letzten Tagen und Wochen passiert ist, und was Du daraus für Dich ziehen kannst.

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Führungskräfte mit Familie. Hier bespreche ich mit Dir Tipps und Strategien, wie Du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass Du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe Dir, zufrieden mit Deinem Leben zu sein, ohne ein schlechtes Gewissen Deinen Kindern und Deiner Frau gegenüber haben zu müssen.  

Hallo und herzlich willkommen. Hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass Du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit Dir darüber sprechen, was mir in den letzten Tagen oder sogar Wochen passiert ist, und zwar im Zusammenhang mit der Umsetzung der DSGVO, der Datenschutzgrundverordnung. Aber keine Angst, es geht hier nicht um Recht oder EU-weite Normen, sondern es geht heute darum, was Du machst, wenn Du wie der Ochs vorm Berg stehst und nicht mehr weißt, was zu tun und was zu lassen ist.  

In Episode 19 haben wir darüber gesprochen, dass es hilfreich sein kann, sich am Ende des Tages fünf Fragen zu stellen. Eine dieser Fragen war, was habe ich heute gelernt? Und dieses „was habe ich daraus gelernt“, das ist gerade auch für Tage und Wochen gut, in denen es nicht so super gut gelaufen ist. Und an meinen Learnings der letzten Wochen möchte ich Dich heute teilhaben lassen. Vielleicht zur Vorgeschichte, die DSGVO ist am letzten Freitag, den 25.05., in Kraft getreten. Und da geht es eben, wie der Name „Datenschutzgrundverordnung“ sagt, um den Schutz von Daten. Das ist ein EU-weites Gesetz. Das macht auch alles Sinn, und ich finde es gut, dass Daten geschützt werden. Aber wie das bei Gesetzen immer so ist, sie sind sehr schwammig formuliert, sie sind ein Bürokratiemonster, und gerade kleine Selbständige, wie ich einer bin, haben damit zu kämpfen. „Klein“ im Sinne von Einzelkämpfer, denn ich habe als Coach und Trainer keine hundert Angestellten. Ich habe mich sehr früh mit dieser DSGVO beschäftigt, damit ich sie vernünftig umgesetzt bekommen, wobei Daten auch vorher schon bei mir sicher waren. Aber das neue Gesetz bedeutet, dass man ein bisschen was für die Webseite tun muss, da musst Du umstellen, da musst Du nochmal anders informieren, also vom Prinzip her überhaupt kein Problem.

Ich habe also frühzeitig angefangen und habe mir auch Hilfe von Fachleuten mit ins Boot geholt. Ich habe mich mit anderen Kollegen ausgetauscht, persönlich, telefonisch und über das Netz. Ich hatte eigentlich nicht zu wenig Informationen, sondern im Gegenteil, je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr Informationen habe ich bekommen. Und der Berg wurde immer größer. Je mehr ich darüber gelernt habe, desto komplexer wurde das ganze Thema, und ich habe den Überblick verloren. Ich wusste kaum noch, was genau zu tun ist. Wie safe musst Du das machen, wie genau musst Du das machen? Dann hast Du hier nochmal jemanden gefragt, der hat es zu hundert Prozent genau gemacht, und ein anderer hat gesagt, „ach, DSGVO interessiert mich gar nicht“. Es ging von – bis. Ich habe mich also total verfrickelt und saß vor dem Computer und dachte, völlig egal, was ich tue, ich werde es niemals schaffen. Ich hatte auch den Gedanken, gar nichts zu tun und darauf zu vertrauen, dass nichts passiert. Du kennst das sicherlich auch in Deinem Alltag, dass der Berg so hoch ist, dass Du denkst, es macht alles überhaupt keinen Sinn mehr, es lohnt sich gar nicht erst, anzufangen.

Und das kostet natürlich wertvolle Zeit. Was habe ich dann gemacht? Und das jetzt mal als mein Learning, und es würde mich freuen, wenn Du das eine oder andere davon ausprobieren würdest oder eventuell von neuem machst, weil Du es vielleicht früher schon einmal gemacht hast. Aus meiner Sicht ist es wirklich hilfreich, sich für solche Situationen zwei, drei oder vier Strategien zurechtzulegen, denn wenn Du bereits in der Situation drinsteckst, kannst Du nicht mehr klar denken. Zumindest ging es mir so. Das Einfachste, und das wirst Du schon hundertmal gehört haben, aber es ist wirklich hilfreich, das ist, wenn Du am Schreibtisch sitzt und nicht mehr weiterweißt, der Kopf qualmt, dann probiere bloß nicht weiter, das Thema zu lösen, sondern stehe auf, mach das Fenster auf, lüfte, atme durch und hüpfe im Büro herum. Da ich mein Büro zu Hause habe, schnappe ich mir in solchen Situationen einfach meinen Bass und spiele einige Lieder. Es ist scheißegal, was Du tust, aber beschäftige Dich mit etwas völlig Anderem. Mach eine kurze Pause und verlass den Raum. Das war Punkt 1.

Dann Punkt 2. Wenn Du den Überblick verloren hast, bevor Du loslegst, einzelne Dinge zu machen, verschaff Dir als Erstes einen Überblick. Und wenn es zwei oder drei Stunden kostet, das ist völlig egal. Hätte ich das am Anfang meiner Verwirrung getan, hätte ich mir vermutlich ganze Tage an Arbeit und Zeitverschwendung gespart. Hol Dir ein großes Flipchart oder ein Whiteboard, wie auch immer Dein Büro ausgestattet ist, völlig egal, je größer, desto besser. Hol Dir Post-it’s und verschaff Dir einen Überblick darüber, was alles zu diesem Projekt dazugehört, damit Du es einmal vor Dir siehst und auch ordnen kannst. Für unser Gehirn ist es völliger Stress, wenn wir keinen Überblick haben. Und wenn unser Gehirn im Stress ist mit den entsprechenden Hormonausschüttungen, dann können wir nicht mehr klar denken. Dann kannst Du keine Probleme lösen. Also, Punkt 2, Überblick verschaffen und eine System anlegen. Was ist als Erstes zu tun, was ist der zweite und der dritte Schritt, ganz nach dem Motto, „wie isst man einen Elefanten? Scheibchen für Scheibchen!“ Planen und sich einen Überblick verschaffen.

Dann gehen wir in das Thema „kognitives Stressmanagement“ hinein. Ich habe mich irgendwann gefragt, was ist eigentlich das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich die Aufgabe, die ich gerade lösen will, bis zum 25.05. nicht schaffe? Oder wenn ich dabei etwas versemmle? Es wird wahrscheinlich niemand deswegen versterben. Ich werde weiterhin Aufträge bekommen. Meine Frau läuft deswegen nicht weg, meine Tochter wird nicht versterben. Die Wohnung ist nicht weg, und auch das Fahrrad ist nicht gestohlen. Was wäre also das Schlimmste? Das Schlimmste wäre, irgendjemand mahnt mich ab, ein Anwalt, der wenig Aufträge und Langeweile hat. Oder eine Datenschutzbehörde fragt nach und brummt mir irgendeine Strafe auf. Die Strafen bei der DSGVO können ganz hoch sein, aber ich sage mal, das bewegt sich vermutlich alles noch im vierstelligen Bereich. Das wäre sehr ärgerlich, aber mehr wäre es dann auch nicht. Ich müsste mir selbst auch einen Anwalt nehmen, der dann auch wieder Geld haben will, aber mehr wäre es nicht. Man sollte sich also vor Augen führen, was das bedeutet, denn das ist absolut hilfreich, also die Frage im Sinne des kognitiven Stressmanagements, was ist das Schlimmste, was passieren kann?

Eine weitere hilfreiche Frage lautet, was genau ist eigentlich gerade das Problem? Wo genau liegt das Problem? Das beantworten wir uns gar nicht, denn das Problem war, dass ich mir in diesem Fall viel zu viele Informationen geholt habe und das zu Verwirrung geführt hat. Hätte ich das zu einem früheren Zeitpunkt bemerkt, dann hätte ich diese Informationseinholung, diese Informationsüberflutung gestoppt. Aber je verfrickelter ich wurde, desto mehr hatte ich das Gefühl, noch mehr Informationen zu benötigen. Was ist also genau das Problem? Was ist das Thema?

Und dann ist als Fünftes wichtig, und das hängt mit dieser Informationsüberflutung zusammen, nochmal zu schauen, auf welche Leute ich hier gerade setze. Ich habe auf Leute gesetzt, von denen ich jetzt sagen würde, dass sie sicherlich Ahnung haben, aber sie haben das Ding zu komplex gemacht. Albert Einstein hat mal gesagt, man muss die Dinge so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher. Nachsatz: Aber bitte auch nicht komplexer! Und ich glaube, wir leben in einer Zeit, die gefühlt sehr komplex ist. Das heißt, wir müssen auf Leute setzen, die es schaffen, Dinge maximal zu vereinfachen. So einfach wie möglich, nicht einfacher, aber so einfach wie es geht, sollten wir sie hinbekommen. Und wenn Du das Gefühl hast, Du setzt auf Leute, die das nicht gut machen, dann beende es. Wenn etwas keinen Sinn mehr ergibt, dann beende es. Wie oft halten wir an Dingen fest, die nicht gut sind? Es gibt das indianische Sprichwort, wenn Du ein totes Pferd reitest, dann steig ab. Kauf nicht noch neues Futter und einen neuen Stall, eine neue Peitsche und einen neuen Sattel. Das Viech ist tot, das kriegst Du nicht mehr wiederbelebt.  

In meinem Fall war es so, ich hatte einen Online Kurs gekauft für nicht so ganz wenig Geld und dachte, dass ich den Kurs durchziehen müsste, weil ich ja schließlich das Geld investiert hatte. Anstatt zu sagen, scheiß was drauf, ärgere Dich oder ärgere Dich nicht, Mantel, sondern vertraue jemand anderes und nicht demjenigen, bei dem Du Dich eingekauft hast. Aber so ticken wir Menschen, wir wollen die Dinge zu Ende bringen, und zwar besonders, wenn es uns Geld, Zeit oder Energie gekostet hat.

Das waren meine Learnings aus den letzten Wochen. Erstens, wenn der Berg immer größer wird: aufstehen, spazieren gehen, Bass spielen, etwas essen, wie auch immer. Punkt 2, verschaff Dir als erstes einen Überblick. Wie isst man den Elefanten? Scheibchen für Scheibchen. Und dann, wenn Du den Überblick hast, kannst Du die Scheibchen einzeln essen. Punkt 3, kognitives Stressmanagement, was ist das Schlimmste, was überhaupt passieren kann? Punkt 4, wo liegt eigentlich genau das Problem? Und dann Punkt 5, setz auf die richtigen Leute. Das ist aus meiner Sicht, auch aus meinem Führungsalltag heraus, exorbitant wichtig. Und beende Dinge, wenn Du merkst, dass sie keinen Sinn mehr machen, auch wenn Du schon viel Energie hineininvestiert hast.  

So weit erstmal zu diesem Thema. Jetzt wünsche ich Dir eine ganz, ganz tolle Woche. Hier bei uns in Berlin soll es brüllend heiß werden. Zwar auch mit Gewittern, aber der Sommer ist in vollem Gang. Und ich hoffe, bei Dir ist es auch so.  

Ich wünsche Dir eine großartige Woche im Job und mit Deiner Familie. Dir bis nächsten Montag eine gute Zeit. Dein Stefan Mantel.