Deshalb benötigst Du mehr als zwei Ohren. Wie bitte? Mehr als zwei Ohren? Habe ich dann nachher drei Nasen und sieben Ohren und sechs Augen? Nein, keine Angst! Es geht hier nicht um plastische Chirurgie, sondern wir werden uns in der heutigen Episode anschauen, warum es absolut hilfreich ist, wenn Du differenziert zuhören kannst.

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Führungskräfte mit Familie. Hier bespreche ich mit Dir Tipps und Strategien, wie Du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass Du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe Dir, zufrieden mit Deinem Leben zu sein, ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.  

Hallo und herzlich willkommen, ich bin Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass Du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit Dir darüber sprechen, warum eben zwei Ohren nicht ausreichen, um sauber zu kommunizieren. Und wenn Du die letzte Episode dieses Podcasts noch nicht gehört hast, also Folge 24, dann würde ich Dich bitten, jetzt sofort auf „Stop“ zu drücken und erst die vorangegangene Episode anzuhören, weil wir uns hier teilweise darauf berufen. Das ist hier der vierte Teil der Partnerschaftskommunikationswochen bei „Führung ist ein Kinderspiel“, und dann ist es auch erst einmal gut gewesen mit der Partnerschaftskommunikation. Danach widmen wir uns wieder anderen Themen. Wir kommen aber später wieder darauf zurück, denn ich glaube, dass es essentiell ist, dass wir als Partner, Väter und Führungskräfte sauber kommunizieren können. Die Kommunikation ist in unserem Führungsalltag das einzige Werkzeug, das wir haben, und das sollten wir perfektionieren. Das Schöne ist, da wir hier wie da, im Job wie privat mit Menschen zu tun haben, kannst Du die Dinge wirklich fast 1:1, zumindest die Sachen, die wir heute hier besprechen, sowohl im Job als auch privat anwenden. 

Und was ist jetzt mit den mehr als zwei Ohren gemeint? Du erinnerst Dich an die letzte Episode, als es um die Sachebene und die Beziehungsebene gegangen ist. Zwei Ohren, Du kannst mit dem Sachohr hören, und Du kannst mit dem Beziehungsohr hören. Und dieses Modell von Friedemann Schulz von Thun, das wir beim letzten Mal angerissen haben, hat eben nicht nur zwei Ebenen, sondern vier Ebenen. Es gibt eine Sachebene, eine Beziehungsebene, und es gibt aber auch noch eine Appellebene und eine Selbstkundgabe- oder Selbstaussageebene. Also ein Ohr, mit dem ich den Appell hören kann und ein Ohr, mit dem ich die Selbstkundgabe hören kann.

Lass uns nochmal das Beispiel der Frau nehmen, die im Auto sitzt, und neben ihr sitzt der Mann. Rote Ampel, Du erinnerst Dich, die Ampel wird grün. Der Mann sagt, „Du, da vorne ist grün“. Auf die Sach- und Beziehungsebene möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen, aber was ist der Appell, wenn der Mann sagt, „Du, da vorne ist grün“? Der Appell ist, „gib Gas, fahr los!“ Dazu möchte er die Frau veranlassen. Und das ist die genau die Frage auf der Appellebene, wozu möchte derjenige, der etwas sagt, den anderen veranlassen? Und was ist die Selbstaussage, wenn er sagt, „Du, da vorne ist grün“? Der Gedanke bei der Selbstaussageebene ist, dass wir bei allem, was wir sagen oder tun, ein Stück von uns selbst preisgeben, egal, ob wir es wollen oder nicht. Was gibt der Mann von sich preis, wenn er sagt, „da vorne ist grün?“ Zum einen gibt er natürlich preis, dass er nicht farbenblind ist, denn er kann das grün sehen. Das ist aber kommunikationspsychologisch nicht so spannend. Er gibt aber zum Beispiel auch von sich preis, dass er ungeduldig ist und womöglich Angst hat, dass sie zu spät zu ihrem Termin kommen. Er macht sich vielleicht Sorgen, dass der Typ im 3er BMW hinter ihnen in seinen neuen Porsche Carrera reinfährt. All diese Dinge gibt er von sich preis.  

Und jetzt auch hier wieder, Du kannst als Frau auf unterschiedlichen Ebenen darauf reagieren. Wir hatten das letzte Woche auf der Sachebene und auf der Beziehungsebene durchgespielt. Wenn die Frau auf den Appell reagiert, was wird sie dann tun? Sie wird Gas geben und losfahren, denn genau das war die Aufforderung. Wenn sie auf die Selbstkundgabe reagiert, wird sie vielleicht sagen, „keine Angst, wir kommen schon nicht zu spät. Mach Dir keine Sorgen, der Typ hinter uns, der schläft auch.“ Oder sie könnte sagen, „sag mal, könnte es sein, dass Du ungeduldig bist?“ Oder sie könnte sagen, „Du machst Dir wohl Sorgen, dass uns der Typ hinten reinfährt?“ Und je nachdem, was sie sagt, wird das Gespräch einen völlig anderen Verlauf nehmen.

Und jetzt lass uns nochmal zurückgehen zu dem anderen Beispiel aus der letzten Episode. Du kommst nach Hause, nach einem anstrengenden Arbeitstag, Du erinnerst Dich, und Deine Frau sagt, „es ist schon kurz nach acht“. Es ist höchst gefährlich, diese Aussage auf der Beziehungsebene zu hören, das hatten wir herausgearbeitet. Du hörst dann nämlich, „Du bist ein schlechter Ehemann, ein schlechter Vater, wir sind Dir scheißegal“, und zack, gibt es einen Streit zwischen Dir und Deiner Frau. Stell Dir vor, Du hörst das Ganze mit dem Selbstaussageohr. Du stellst Dir die Frage, was möchte mir meine Frau mit dieser Aussage über sich sagen? Dann wirst Du Dinge heraushören wie „ich bin überfordert mit den Kindern, wenn Du so spät kommst“. „Ich bin total gestresst, ich hatte einen anstrengenden Tag, und mir steht es bis hier.“ „Ich vermisse Dich. Ich hätte gerne mehr Zeit mit Dir.“ All solche Geschichten. Und Du merkst schon, wenn Du es mit diesem Ohr hörst, dann kann das folgende Gespräch sehr viel entspannter ablaufen, denn Deine Frau trifft damit Aussagen über sich und ihr Gefühlsleben. Und das ist zunächst unabhängig von Dir, und von daher brauchst Du Dich auch nicht als Bein gepieselt zu fühlen.

Dazu mein Tipp: Die Reaktion auf die Selbstaussageebene ist ein Schritt hin zu produktiven und konstruktiven Gesprächen in der Partnerschaft. Und natürlich nicht nur dort, das hatte ich mehrfach betont, es gelten dieselben Regeln, wenn Du mit Deinen Kids in Kommunikation trittst beziehungsweise, wenn Du mit Deinen Mitarbeitern kommunizierst. Auch da kannst Du versuchen herauszufinden, was sie gerade über sich selbst aussagen. Und wenn Du darin ein bisschen geübt bist, dann hörst Du Dinge heraus, die sehr, sehr hilfreich sind, eben auch für die Mitarbeiterführung.

Und jetzt lass uns nochmal gucken, was wir mit dem Appellohr machen. Wenn Deine Frau sagt, „es ist schon wieder kurz nach acht“, was ist dann der Appell? Man könnte interpretieren: „Komm früher nach Hause, kümmere Dich mehr um mich, sorg Dich mehr um die Kinder. Verausgabe Dich nicht so auf Arbeit, damit Du abends mehr Energie hast.“ Es sind also mehrere Interpretationsrichtungen möglich. Und jetzt machen wir folgenden Fehler, wir interpretieren irgendetwas und hinterfragen es nicht mehr. Du bist vielleicht tatsächlich guten Willens, früher nach Hause zu kommen. Deine Frau hat gesagt, „es ist schon wieder kurz nach acht“, und Du sagst erst einmal nichts. Du atmest tief durch, und am nächsten Tag machst Du früher Feierabend, und am übernächsten Tag machst Du auch früher Feierabend, bist aber trotzdem abends total groggy. Und dann bist Du zwar da, aber geistig abwesend. Und Deine Frau macht Dir immer noch Vorwürfe, und Du fragst Dich, ob Du im falschen Film bist. Sie wollte doch, dass Du früher nach Hause kommst, und jetzt ist sie immer noch nicht zufrieden!  

Denkfehler! Deine Frau wollte vielleicht gar nicht, dass Du früher nach Hause kommst, sie wollte vielleicht, dass Du entspannter nach Hause kommst, dass Du mit mehr Energie nach Hause kommst. Es ging ihr gar nicht nur um die Stunde mehr an Zeit. Wir interpretieren also und meinen, wir hätten den anderen verstanden. Im Regelfall ist meine Erfahrung mittlerweile, dass wir gar nichts, aber auch gar nichts verstanden haben! Das ist unsere eigene Welt, und wir tun sehr gut daran, zu hinterfragen, was der andere eigentlich genau von mir möchte. In der Partnerschaft könnte das die Frage sein, „Du hast gestern gesagt, dass ich schon wieder erst um 20:00 Uhr nach Hause gekommen bin. Was genau wünschst Du Dir eigentlich von mir?“ Damit frage ich den Appell sauber nach.

Um das auf ein einfacheres Beispiel herunterzubrechen, wenn Dir jemand im Meeting sagt, „mir ist kalt“, dann kann der Appell heißen, „mach die Heizung an. Mach das Fenster zu. Lüfte in der nächsten Pause weniger. Leih mir Deine Jacke, bring mir meine Jacke.“ Und wenn Du jetzt die Heizung aufdrehst, die Person aber gemeint hat, dass Du das Fenster zumachen sollst, dann hast Du ein super Gefühl, weil Du denkst, dass Du verstanden hast, um was es geht, aber der Typ ist immer noch garstig. Und was hilft da? Genau nachzufragen, was Du für ihn tun kannst. Oder beim Mitarbeiter würde ich vielleicht fragen, „was brauchen Sie von mir?“ „Was genau brauchst Du?“ Hör auf, auf der Appellebene zu interpretiere, sondern frage sauber nach. Und schau, ob Du in Situationen, die auf den ersten Blick vertrackt erscheinen, herausfinden kannst, was die Selbstaussage Deines Gegenübers ist. Deiner Frau, Deines Kindes, Deines Mitarbeiters.  

Du siehst, die Kommunikation ist nicht total schwer, aber sie ist eine komplexe Sache. Und diejenigen, die nicht wissen, was dort alles mitschwingt, die sind dem, das ist meine Erfahrung, hilflos ausgeliefert. So lange alles tutti läuft in der Partnerschaft – super. So lange die Kinder nicht bockig sind, ist alles gut. Solange alles mit den Mitarbeitern läuft – prima. Aber sobald es irgendwo Störungen gibt, die nichts mehr mit der Sache als solcher zu tun haben, scheitern diese Menschen. Und wir tun gut daran, uns viel mehr mit dem Thema „Kommunikation“ zu beschäftigen. 

Lange Rede, kurzer Unsinn, meine Beobachtungsaufgaben für Dich für diese Woche, wenn Du Lust dazu hast, dann gucke einfach mal in den entsprechenden Situationen nach dem Appell, was interpretiere ich, und wie schaffe ich es, sauber nachzufragen, „was wünschst Du Dir von mir? Was brauchst Du, was genau kann ich für Sie tun?“ Und bei der Selbstaussage mal zu gucken, was hörst Du an Selbstaussagen heraus? Deine Erfahrung kannst Du mir gerne auf Facebook teilen, wenn Du mit mir connected bist. Ansonsten maile sie mir oder schreibe sie mir in die Kommentare, wie auch immer. Ich bin wahnsinnig gespannt auf Deine Erfahrungen.  

Und jetzt wünsche ich Dir eine ganz, ganz tolle Woche im Job und auch privat. Bis nächsten Montag, Dein Stefan Mantel.