„Was ist denn das für ein Idiot?“ Das ist der eigentliche Grund, warum Du Dich über andere ärgerst. In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ möchte ich mit Dir darüber sprechen, welche innerpsychischen Prozesse ablaufen, wenn Dich das Verhalten eines anderen ärgert oder nervt und warum dieser Ärger oder dieses Genervtsein eigentlich Dir selber gilt.

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Väter in Führungspositionen. Hier bespreche ich mit Dir Tipps und Strategien, wie Du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass Du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe Dir, zufrieden mit Deinem Leben zu sein ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass Du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit Dir der Frage nachgehen, warum wir uns eigentlich über andere Menschen ärgern oder warum uns das Verhalten von anderen Menschen nervt. Und andere Menschen gibt es in unserem Umfeld ja viele, Deine Mitarbeiter, Deine Kollegen, Dein Vorgesetzter, um mal auf der beruflichen Ebene zu schauen, und privat gibt es vermutlich auch Menschen, schließlich lebst Du nicht als Einsiedler. Deine Frau, Dein Sohn, Deine Tochter, Freunde, Bekannte, Eltern, in der KiTa, in der Schule, wie auch immer. Und sicherlich kennst Du das auch, es gibt Menschen, da könnte man aus der Haut fahren, weil sie sich einfach unmöglich verhalten.

Zum Beispiel bist Du mit Deiner ganzen Familie auf einer Hochzeit eingeladen, und es ist zu wenig Fisch da, weil zu wenig bestellt wurde oder weil er besonders gut geschmeckt hat. Und da gibt es tatsächlich jemanden, der nicht danach schaut, ob auch andere Leute vielleicht auch noch ein Stück Fisch haben möchten. Er nimmt sich einfach stumpf das letzte Stück. Oder in einer beruflichen Situation, während eines Meetings verabschiedet sich ein Kollege einfach, nachdem alle für ihn relevanten Punkte besprochen wurden, obwohl das Meeting noch weitergeht. Er habe noch ein wichtiges Projekt fertigzustellen und müsse nun leider gehen. Du denkst, „Junge, ich habe noch zwei wichtige Projekte fertigzustellen, ich bleibe hier auch noch bis zum Ende sitzen“. Oder ein drittes Beispiel, Dein zehnjähriger Sohn reagiert mit einem absoluten Wutanfall, als seine Mannschaft das Fußballspiel verliert. Er ist außer sich, er ist außer Rand und Band, zieht seine Schuhe aus, schmeißt sie in hohem Bogen einem anderen fast an den Kopf.

Womöglich denkst Du, mal gucken, was da genau passiert, wenn wir vom Verhalten eines Gegenübers genervt und verärgert sind. Es passiert nichts anderes, als dass genau dieses Verhalten bei Dir rote Knöpfe drückt, also etwas in Dir antriggert. Es gibt viele Menschen, denen genau dieses Verhalten überhaupt nichts ausmacht. Es gibt eine ganz, ganz spannende Theorie dazu, und die möchte ich Dir näherbringen. Ich verrate schon Dir schon so viel: sie wird Dein Leben verändern, zumindest hat sie meines sehr verändert. Es gibt zwei Gründe, warum wir das Verhalten eines anderen Menschen ablehnen oder unmöglich finden. Zum einen, wenn es ein Verhalten ist, das wir auch haben, auch zeigen, aber an uns ablehnen. Vielleicht neigst Du in gewissen Situationen ebenfalls dazu, einen Wutanfall zu haben. Du kannst ihn vielleicht etwas besser steuern als Dein Sohn, aber Du bist selbst auch dafür prädestiniert, solche Wutanfälle zu haben.

Der andere zeigt ein Verhalten, das Du selbst auch hast, jedoch an Dir ablehnst. Eigentlich lehnst Du nicht den anderen ab, sondern Du lehnst etwas an Dir selbst ab. Und die zweite Möglichkeit ist genauso spannend, der andere zeigt ein Verhalten, das Du tief in Deinem Innersten auch gerne zeigen würdest, Dir selbst aber nicht erlaubst. Lass uns nochmal zu dem Meeting gehen und zu dem Kollegen, der einfach egoistisch, naiv und stumpf aufsteht. Ist es nicht das, was Du manchmal selbst auch denkst, wenn Du in Meetings sitzt, die über zwei, drei Stunden gehen, „am liebsten würde ich einfach aufstehen und gehen. Sollen sie sich hier doch zu Tode reden!“ Aber Du erlaubst es Dir nicht. Du wirst gute Gründe dafür haben, ich will das gar nicht bewerten. Oder bei dem Mann am Buffet, der sich einfach das letzte Stück Fisch nimmt, ohne zu schauen, ob jemand hinter ihm in der Reihe vielleicht auch noch etwas möchte. Ist es nicht manchmal so, dass Du denkst, eigentlich sollte ich besser mal für mich selbst sorgen und nicht immer nur danach schauen, dass es den anderen gut geht?

Ich finde diese Betrachtungsweise total spannend. Wenn Du das zum ersten Mal hörst, dann magst Du denken, dass es völlig absurd ist. Ich kann Dir nur den Tipp geben, achte sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext darauf, wenn Du Dich ärgerst oder wenn Du genervt bist. Schau genau hin. Was genau nervt Dich am Verhalten des anderen, am Charakter des anderen? Und dann versuche herauszufinden, ist es eher etwas, was Du auch hast, aber an Dir ablehnst oder ist es etwas, was Du gerne hättest, Dir aber nicht erlaubst, zu nehmen?

Und jetzt kommt eine Übung, die Du machen kannst, wenn Du oft mit einem Menschen zu tun hast, der Dich richtig, richtig nervt. Nimm Dir den Mitarbeiter vor, bei dem Du froh bist um jeden Tag, an dem er nicht im Unternehmen ist, weil er nicht das tut, was Du sagst oder was auch immer. Nimm ihn Dir vor und schreib auf ein Blatt alle Eigenschaften und Verhaltensweisen, die Du als negativ erlebst. Als nächstes unterteilst Du all diese Eigenschaften in die beiden Punkte. Welche der Eigenschaften habe ich auch und lehne sie an mir ab? Und welche dieser Eigenschaften würde ich mir für mich selbst wünschen? Da muss man ein bisschen Übersetzungsarbeit leisten, das ist wichtig, denn sonst funktioniert es nicht. Wenn Du einen Mitarbeiter hast, der aus Deiner Sicht sehr egoistisch ist und nicht aufs Team guckt, sondern nur auf seinen eigenen Vorteil, dann heißt das auf der anderen Seite, dass derjenige gut für sich sorgen kann. Und ist es nicht das, was Du Dir manchmal auch für Dich wünschst?

Oder der andere Mitarbeiter, der sich kein Problem zueigen macht, „das ist doch nicht mein Problem, das soll der Vorgesetzte lösen, was habe ich damit zu tun?“ Auch dieses Extrem wirst Du sicherlich ablehnen, aber vielleicht hättest Du es für Dich selbst auch gerne, dass Du Probleme nicht mit nach Hause nehmen würdest und besser abschalten könntest? So wird dann vielleicht ein Schuh draus. Und was heißt das dann für Dich? Das heißt natürlich nicht, dass Du so werden sollst wie der Kollege, das wäre grober Unfug. Es geht jedoch, zumindest in meiner Welt darum, möglichst verhaltensflexibel zu sein zu sein. Und wenn Du diese eine Seite des Spektrums noch nicht bedienen kannst, abschalten zu können und auch mal Fünfe gerade sein lassen zu können, dann zeigt Dir das genau Dein Entwicklungsfeld.

Das heißt, sämtliche Menschen, die Dich im Außen nerven oder ärgern, zeigen Dir Deine Entwicklungsfelder. Jetzt kannst Du Dich noch weiter über sie ärgern, aber wenn man mit dieser Haltung auf das Problem draufschaut, dann kannst Du dankbar sein, wenn so etwas passiert, wenn Dir Menschen diese Schwächen aufzeigen. Und das meine ich ganz ernst. Wie gesagt, es geht mir nicht darum, dass Du Dich genauso egoistisch verhältst oder sagt, dass Dich das alles nichts angeht, sondern es soll Dir eine Richtung weisen, in die Du im Moment noch nicht verhaltensflexibel bist. So ist zumindest die Theorie, der ich Glauben schenke. Wir Menschen, wir Führungskräfte, wir Väter sind besonders dann effektiv und effizient, wenn wir flexibel entscheiden können, wir uns verhalten möchten. Wie möchte ich mich in dieser oder jener Situation verhalten? Es ist wichtig zu erkennen, dass wir mehrere Optionen haben.

Mit diesem Wissen möchte ich Dich in die Woche entlassen. Wenn Du jetzt innerlich über mich fluchst, dann ist das völlig in Ordnung. Auch darüber kannst Du mal nachdenken, was das bedeutet!

Jetzt wünsche ich Dir eine ganz, ganz tolle Woche mit vielen Ärgernissen und Gelegenheiten zum Genervtsein, damit Du diese kleine Übung umsetzen kannst.

Wir hören uns schon am Mittwoch wieder. Der Podcast, der eigentlich am nächsten Montag erscheinen soll, geht diesmal schon am Mittwoch auf Sendung. Und dafür gibt es einen Grund, den ich jetzt aber noch nicht verraten möchte. Wie gesagt, wir hören uns bereits übermorgen wieder. Dir bis dahin erstmal ne jute Zeit, Dein Stefan Mantel.

Möchtest Du von Stefan persönlich und kostenlos beraten werden, was der nächste Schritt ist, als Führungskraft noch erfolgreicher und trotzdem pünktlich zum Abendbrot zuhause bei Deiner Familie zu sein?

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