Frage stellen – Klappe halten! In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ möchte ich Dir fünf plus einen Gründe an die Hand geben, warum Du in der Mitarbeiterführung mehr fragen und viel, viel weniger reden solltest. 

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Führungskräfte mit Familie. Hier bespreche ich mit Dir Tipps und Strategien, wie Du Karriere und Familie unter einen Hut bekommst, ohne dabei auszubrennen oder die Karriere aufs Spiel zu setzen. Hier machen wir aus gestressten Vorgesetzten und frustrierten Ernährern souveräne, gelassene Führungskräfte und zufriedene Papas. 

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass Du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich Dir fünf plus einen Gründe an die Hand geben, warum Du im Kontakt mit Deinen Mitarbeitern viel, viel mehr fragen und zuhören und viel, viel weniger reden solltest. Und ich gebe zu, der Titel der Episode, „Frage stellen –  Klappe halten“ klingt etwas provokant, aber ich glaube, genau das sind die beiden Aufgaben, die wir als Führungskräfte haben, eine Frage zu stellen und dann die Klappe zu halten und zuzuhören, was der Mitarbeiter sagt und nicht Fragen stellen und weiterreden, wie das gerne zelebriert wird.

Jetzt aber zu den fünf plus ein Gründen, warum Du mehr Fragen stellen solltest. Grund 1: Weniger Missverständnisse. Vielleicht kennst Du das auch, ein Mitarbeiter schildert ein Problem, und Du denkst, „das kenne ich doch irgendwoher, das könnten wir doch so und so lösen“. Moment! Hast Du wirklich verstanden, um was es geht? Oder Dein Mitarbeiter schlägt eine Lösung vor, und Du sagst, „machen Sie mal, das klingt gut“. Hast Du wirklich verstanden, was diese Lösung beinhaltet? Ich glaube, Missverständnisse sind die Regel, und Verstehen ist sehr harte Arbeit. Je mehr Fragen Du stellst und je mehr Du zuhörst, umso weniger Missverständnisse wird es zwischen Dir und Deinen Mitarbeitern geben. 

Das ist die Inhaltsebene, die schon ausreichen würde, um mehr Fragen zu stellen. Aber was passiert auf der Beziehungsebene, wenn Du während des Gesprächs im Kontakt mit Deinem Mitarbeiter nachfragst und zuhörst? Mitarbeiter erleben Wertschätzung, sie erleben, dass sie wahrgenommen werden und dass sie mit ihrer Meinung, ihren Themen und Ideen ernstgenommen werden. Und das ist alles absolut beziehungsfördernd. Je mehr Du zugewandt zuhörst und nachfragst, umso eher signalisierst Du Deinen Mitarbeitern, „ich nehme Euch ernst“. Das ist Punkt 2 beziehungsweise Grund 2. Fragen und Zuhören ist absolut beziehungsfördernd, und das ist im Sinne der Mitarbeiterführung nicht ganz unwichtig. Sicher kennst Du den Spruch, „Mitarbeiter heuern bei Unternehmen an, und Mitarbeiter verlassen Vorgesetzte“. Das kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich glaube, Fragen stellen, Klappe halten, das ist ein grundsätzliches Rezept, damit das nicht passiert.

Grund 3: Dein Mitarbeiter hört viel besser zu, wenn Du lediglich Fragen stellst. Jetzt denkst Du vielleicht, wieso hört er zu? Du hast doch gar nichts gesagt? Genau das ist es eben. Vielleicht kennst Du das auch, Du redest und redest zu Deinen Mitarbeitern, und Du hast das Gefühl, es geht bei ihnen zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr raus. Es bleibt nichts hängen, falls überhaupt etwas ankommt. Was glaubst Du, wenn Dein Mitarbeiter selbst erzählt, hört er besser zu, als wenn Du erzählst oder nicht? Natürlich hört er sich selbst besser zu als Dir, und das ist genau der Kniff. Zuhören ist für unser Gehirn deutlich anstrengender als reden. Wenn Du abends mit Kumpels in der Kneipe sitzt und einer hat ein Thema und erzählt und erzählt, dann hört man anfangs noch gerne zu, aber irgendwann guckt man auf die Uhr und denkt sich, „verdammte Axt, der redet schon seit einer Stunde, wie soll ich den Abend überstehen?“ Das Ganze zieht sich wie Kaugummi.  

Jetzt hast Du aber auch etwas zu erzählen. Du erzählst und erzählst und erzählst, und auf einmal guckst Du auf die Uhr und denkst, „Oh, schon 00:30 Uhr, ich sollte mich mal verabschieden!“ Die Zeit vergeht viel schneller, wenn wir selbst in einem Erzähl-Flow sind. Und das kannst Du Dir zunutze machen. Wenn Du Deine Mitarbeiter zum Erzählen bringst, dann werden sie dem, was gesagt wird, zuhören. Zehn Minuten oder eine Viertelstunde auf einen Mitarbeiter einreden und ihm irgendwelche Dinge erklären, das ist gut gemeint, aber scheiße gemacht. Das ist ein absoluter Information Overload, und die wenigsten Mitarbeiter können und werden dabei folgen. Lass also Deine Mitarbeiter reden, damit das, was gesagt wird, nicht hier rein und dort wieder hinausgeht. Also, Grund 3, Dein Mitarbeiter hört viel besser zu.

Grund 4: Deine Mitarbeiter denken mit, müssen mitdenken. Entwickelst Du auch manchmal Lösungen und schlägst sie vor? Du kommst immer mehr ins Rotieren und erzählst hier und erzählst da, und Du hast das Gefühl, dass Dein Mitarbeiter vor Dir sitzt und Deine Erzählungen lediglich über sich ergehen lässt. Aber Moment mal, habe ich eventuell keine motivierten Mitarbeiter? Wir erarbeiten doch gerade eine Lösung! Nein, ihr erarbeitet keine Lösung, sondern Du erarbeitest, wenn überhaupt, eine Lösung. Motivation kommt von dem lateinischen Wort „movere“, was so viel heißt wie „bewegen“ oder „jemanden bewegen“. Und wenn Du Dir die Gespräche anschaust, die Du mit Deinen Mitarbeitern führst, wer bewegt sich da, rein körperlich? Wessen Lippen bewegen sich? Und wenn das hauptsächlich Deine Lippen sind, dann lass es lieber sein. Wenn Du Mitarbeiter motivieren möchtest, dann bring sie dazu, dass sich ihre Lippen bewegen.  

Bring Deine Mitarbeiter durch Fragen zum Mitdenken, denn dann haben die guten Leute eine Chance, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Und das will doch schließlich jede vernünftige Führungskraft. Du willst, dass Deine Mitarbeiter besser werden, dass sie nächste Woche mehr Aufgaben erledigen und dass sie diese Aufgaben nächste Woche besser machen als heute. Und für die Lebenskünstler, die „Dünnbrettbohrer“ unter Deinen Mitarbeitern wird es durch Deine Nachfragen deutlich enger, und deutlich dünner wird die Luft. Sowohl die Guten als auch die Schlechten profitieren davon. Außerdem bekommst Du die Mitarbeiter besser in den Griff, von denen Du denkst, dass sie ein Motivationsthema haben. Das war Punkt 4, die Mitarbeiter denken viel mehr mit beziehungsweise müssen viel mehr mitdenken.

Grund 5: Wenn es darum geht, Lösungen für Probleme zu erarbeiten, dann funktionieren selbst erarbeitete Lösungen Deines Mitarbeiters für ihn deutlich besser als von außen vorgegebene Lösungen. Denn der Mitarbeiter, der eine Lösung selbst erarbeitet hat, steht viel mehr hinter dieser Lösung, wenn es seine eigene ist. Du lässt die Verantwortung für das Finden von Lösungen beim Mitarbeiter, und dadurch finden sich bessere Lösungen. In meinen Seminaren, Trainings und Coachings gebe ich immer das folgende Beispiel. Wenn mir jemand sagt, „Mantel, was Du am Flipchart schreibst, das ist wunderbar, aber es ist latent verschwommen“, dann leihe ich ihm meine Brille. Das funktioniert bei mir wunderbar. Wenn ich morgens aufwache, ist alles verschwommen, setzte ich aber die Brille auf, ist alles gestochen scharf. Und was würde der Kollege sagen, der im Training sitzt? „Vielen Dank für die Brille, aber helfen tut es nicht. Ehrlich gesagt ist es sogar schlimmer geworden. Bei der Brillenstärke ist das doch auch logisch. Und ich habe schon Kopfschmerzen davon.“ Ich antworte darauf, „wenn sich jemand für mein Coaching anmeldet, dann muss er vernünftig mitarbeiten. Ich weiß, dass es funktioniert, so eine Brille ist eine super Lösung. Bocken Sie nicht so herum!“

Lange Rede, kurzer Unsinn, meine Lösung funktioniert für den Mitarbeiter eben nicht. dementsprechend Grund 5: Selbst erarbeitete Lösungen funktionieren besser als von außen vorgegebene. Und das bekommst Du nur hin, indem Du sauber fragst, wenn ihr im Gespräch im Lösungsbereich seid. 

Und der allerletzte Grund, warum fragen und weniger reden sehr hilfreich ist, ist Dein eigenes Stressmanagement. Stehst Du auch dauerhaft unter Strom und denkst, Du müsstest für alles Verantwortung übernehmen? Die Gespräche mit den Mitarbeitern laufen Dir aus dem Ruder, und ihr kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, vom Hundertsten ins Tausendste? Wer fragt, der führt, so platt das klingt, es ist so wahr wie noch letztes Jahr und wie vor zehn und wie vor hundert Jahren, und auch in hundert Jahren wird dieser Spruch noch stimmen. In dem Moment, wo Du aufhörst zu fragen, gibst Du die Gesprächsführung aus der Hand. Du verlierst Deinen roten Faden. Im blödesten Fall fängt sogar noch Dein Mitarbeiter an, Fragen zu stellen und führt das Gespräch. Doch das ist Führungsaufgabe, die Führungskraft muss wissen, wo das Gespräch lang geht und wo der rote Faden ist.  

Wenn Du Dich darauf konzentrierst, zu fragen und die Klappe zu halten, dann reduzierst Du Deinen eigenen Stresslevel. Das erlebe ich in Trainings und Coachings immer wieder. Es fühlt sich völlig anders an. Ich möchte nicht von „Wunderheilung“ sprechen, aber es sind völlig andere Gespräche. Dein Mitarbeiter arbeitet, und Du steuerst. Und so gehört es sich. Und als kleine Nebennuance: Menschen, die ein Gespräch auf diese Weise führen, wirken absolut souverän und professionell. Und wer möchte das nicht?

Worum geht es? Es geht darum, dass Du weniger Monologe von Dir gibst und dass Du mit Deinen Mitarbeitern in einen sauberen Dialog kommst. Und das bekommst Du nur hin, wenn Du Deine Aufgabe erledigst. Und die ist zweigeteilt. Punkt 1: Frage stellen, Punkt 2: Klappe halten.

Und das war die Auftaktepisode für einen Mini-Kurs zum Thema „Souveräne Fragen in der Mitarbeiterführung“. Wir werden uns in den nächsten Episoden anschauen, was Du tun kannst, um das Problem Deiner Mitarbeiter zu verstehen. Welche Fragen sind hilfreich, um eine Lösung zu finden? Wie verfährst Du bei Mitarbeitern, die reden und reden, aber Du nicht verstehst, was sie von Dir wollen? Wie schaffst Du es, durch Fragen Verbindlichkeit in Deinem Bereich zu schaffen? Wir werden uns anschauen, in welchen anderen Bereichen diese Fragen wichtig sind. Wie bekommst Du Monkey Business, Rückdelegation mit Fragen in den Griff, und mit welcher Frage kannst Du Deine Mitarbeiter motivieren, und zwar mehr als jeweils zuvor?

Das sind keine leeren Versprechungen. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass Du Deine Führungsqualitäten mit der richtigen Fragetechnik auf einen ganz anderen Level hebst. Und das führt dazu, dass Du am Ende des Tages entspannter bist und dass Du früher nach Hause gehen kannst und mehr Zeit und Energie für Deine Familie, für Deine Frau und für Deine Kids hast. 

Ich freue mich schon auf diese kleine Mini-Serie und würde mich freuen, wenn Du beim nächsten Mal wieder einschaltest. Jetzt möchte noch einmal kurz die fünf plus einen Gründe zusammenfassen, warum Du mehr fragen und weniger reden solltest.

1. Es gibt weniger Missverständnisse.

2. Es ist absolut beziehungsfördernd zwischen Dir und Deinem Mitarbeiter.

3. Deine Mitarbeiter werden besser zuhören, und das Gesagte wird viel besser im Gehirn haften bleiben. 

4. Mitarbeiter denken viel mehr mit beziehungsweise müssen mehr mitdenken. 

5. Selbst erarbeitete Lösungen funktionieren fast immer besser als von außen vorgegebene.

6: Und der sechste, der Bonuspunkt: Du hast viel, viel weniger Stress und das Gesprächsruder in der Hand.

Und jetzt wünsche ich Dir eine ganz, ganz tolle Woche mit viel Spaß und Erfolg auf der Arbeit und noch mehr Freude am Privatleben und mit Deiner Familie. Bis nächste Woche, Dein Stefan Mantel.