Maker oder Manager, das ist hier die Frage. In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ besprechen wir, wann du Zeiten für deinen Maker-Modus und wann du Zeiten für deinen Manager-Modus reservieren solltest.

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Väter mit Führungsverantwortung. Hier bespreche ich mit dir Tipps und Strategien, wie du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe dir, zufrieden mit deinem Leben zu sein, ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit dir der Frage nachgehen, wann du Zeiten für deinen Maker-Modus und wann du Zeiten für deinen Manager-Modus reservieren solltest. Was das ist, werde ich dir erzählen. Aber zunächst einmal möchte ich dir von einem Experiment berichten. Es wurden mehr als 600 Entwickler aus 92 verschiedenen Firmen untersucht. Die Aufgabe der Entwickler war, Computerprogramme zu entwerfen, zu codieren und zu testen, also das, was ein Programmierer so macht. Und zwar haben sie das während der gewöhnlichen Geschäftszeiten im normalen Bürobetrieb gemacht. Dann wurde gemessen, wie schnell sie waren, in welcher Qualität sie ihr Ergebnis abgeliefert haben und wie viele Fehler gemacht wurden. Es ging um die Hard Facts, die man relativ gut messen kann.

Und das Spannende ist, dass der beste Programmierer den schlechtesten Programmierer vom Ergebnis her in einem Verhältnis von 10:1 übertroffen hat. Das ist eine ganze Menge, und man hat sich gefragt, woran das lag. Die Vermutung war, dass es an der Erfahrung des einzelnen lag, vielleicht auch daran, wie viel Gehalt derjenige bekam, denn schließlich arbeitet man motivierter, wenn man vernünftig bezahlt wird. Einige Programmierer haben sogar länger gearbeitet und getestet als andere, und man hat vermutet, dass auch das eine Rolle spielte. Alles Bullshit, das hatte kaum eine Auswirkung. Was war nun ausschlaggebend? Diejenigen, die richtig gute Ergebnisse hatten, das waren die Mitarbeiter, die einen Arbeitsplatz hatten, an dem es wenig Störungen gab und über den sie selbst sehr viel Kontrolle haben. Sie können ihren Arbeitsplatz so einrichten, dass sie möglichst wenig unterbrochen werden. Die Vorgesetzten dieser Mitarbeiter sind nicht dauernd reingekommen, haben ständig angerufen und wollten irgendwas. Und von denen, die richtig gut abgeschnitten haben, haben zweiundsechzig Prozent gesagt, sie haben einen Arbeitsplatz, der richtig gut gegen Störungen abgeschirmt ist. Nur neunzehn Prozent der schlechtesten Programmierer haben das gesagt. Sechsundsiebzig Prozent der schlechtesten Programmierer gaben an, dass sie total oft unterbrochen werden, aber das haben nur achtunddreißig Prozent der Top Performer gesagt. Und da war klar, dass Störungen einen massiven Einfluss auf diese Programmierer gehabt haben. Wie oft werde ich unterbrochen?

Was bedeutet das? Gut, daraus kann man relativ leicht schließen, dass du dafür sorgen musst, dass du wenig unterbrochen wirst, wenn du ein Programmierer bist. Die wenigsten von euch sind jedoch Programmierer, aber es macht Sinn, sich damit zu beschäftigen, welchen Zeitplan und welche Tagesstruktur ich benötige. Es gibt einen spannenden Aufsatz von Paul Graham von Y Combinator aus dem Jahr 2009 mit dem Titel „Maker’s Schedule, Manager’s Schedule“. Er unterscheidet zwischen einem „Maker-Zeitplan“ und einem „Manager-Zeitplan“. Was ist der Unterschied? Den Maker-Zeitplan haben wir gerade kurz gesehen, denn ein Maker ist zum Beispiel ein Programmierer oder ein Schriftsteller, der in einer einsamen Hütte im Wald oder in den Bergen wohnt. Das ist jemand, der lange ununterbrochene Zeitabschnitte braucht, damit er sich auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren kann, um fokussiert zu arbeiten. Ihm nützt keine halbe Stunde oder Stunde, denn der denkt eher in halben oder ganzen Tagen, die er braucht, um an einem Stück durchgehend arbeiten zu können.

Der Manager-Zeitplan sieht völlig anders aus. Im Kalender eines Managers findet man Viertelstundentaktungen, vielleicht Halbstundentaktungen. Hier ein Meeting, da noch ein kurzes Gespräch mit einem Mitarbeiter, hier ein Briefing, dort noch ein Meeting vorbereiten oder nachbereiten und hier ein Zeit Slot, um Anrufe zu tätigen. Das ist schließlich die Aufgabe eines Managers, nämlich reaktive Arbeit zu leisten, Feuer zu löschen und zu schauen, was hereinkommt, um es abzuarbeiten. Der Kunde ruft an, ein Mitarbeiter ruft an, irgendwo brennt es im Projekt, und zack, lösche ich das Feuer. Aber weder ist das eine gut, noch ist das andere schlecht, aber es sind zwei völlig unterschiedliche Arten, zu arbeiten. Einmal ein bunter Flickenteppich im Kalender versus den ganzen Tag munter in einer Farbe als massiver Block.

Und jetzt wird es spannend. Die wenigsten von uns sind reine Maker oder reine Manager, sondern auch du als Führungskraft hast sicherlich Maker-Aufgaben und Manger-Aufgaben gleichermaßen. Und wenn man jetzt nicht aufpasst, dann vermischt sich das alles munter. Du willst dich endlich mal auf eine Sache fokussieren, aber verdammter Mist, seit Tagen kommst du nicht dazu. Jetzt sitzt du endlich mal eine halbe Stunde am Stück an der Sache, und dann kommt schon wieder der erste Anruf oder der erste Mitarbeiter, und wieder bist du rausgerissen. Was gilt es also, anzustreben? Wenn du Maker-Aufgaben zu erledigen hast, bei denen du richtig in die Tiefe gehen musst, Stichwort „Deep Work“, dann gilt es, ununterbrochen zu arbeiten, keine Telefonanrufe, keine Mails, und die Tür ist geschlossen. Bist du jedoch im Manager-Modus, dann geht es darum, zu kommunizieren, ob persönlich oder telefonisch, per Mail oder per Videokonferenz. Dann sind kurze Meetings und schnelle Entscheidungen gefragt. Und zwischen diesen beiden Extremen bewegt sich das.

Ich sagte bereits, dass die meisten von uns beide Aufgaben haben, Manager-Aufgaben und Maker-Aufgaben, das heißt, es geht darum, einen Hybridzeitplan zu erstellen, dir zu überlegen, wann du Maker bist und wann Manager. Wie kriegt man das hin? Das Optimum ist sicherlich, wenn du den Luxus hast, bestimmte Maker-Tage zu installieren, das heißt, ich lege beispielsweise den Dienstag und den Donnerstag als meine Maker-Tage fest. Da gibt es keine Meetings, und da möchte ich auch zu keinen Meetings eingeladen werden. Und wenn nicht absolut die Hütte brennt, dann bin ich eben nicht ansprechbar. Jetzt höre ich schon wieder alle rufen, „das geht bei mir nicht, ich bin so wichtig!“ Ja, und auch, wenn du nicht wichtig bist, ich weiß auch, dass das nicht in jedem Umfeld geht, aber es gibt immer die Möglichkeit, vielleicht zwei Vormittage in der Woche festzulegen, an denen ich nur in Notfällen ansprechbar bin für meine Mitarbeiter.

Das ist natürlich umso leichter, wenn es immer dieselben Vormittage sind, denn dann wird es irgendwann zur Abteilungskultur. Und auch für deine Mitarbeiter, auch, wenn es keine Programmierer sind, kann es sehr hilfreich sein. Es ist nicht so, dass sie darunter leiden würden, sondern der Deal ist schließlich ein beiderseitiger. Ihr sprecht mich während dieser Zeit nicht an, ihr habt aber gleichzeitig auch die Garantie, dass ich euch in Ruhe arbeiten lasse. Es macht aus meiner Sicht großen Sinn, das mit den Mitarbeitern zu besprechen.

Wenn du auch das nicht hinbekommst, ist es auch noch kein Problem. Dann versuche, dir Zeitblöcke zu reservieren, eine Stunde, anderthalb Stunden, in denen du nicht ansprechbar und im Maker-Modus bist. Du kommunizierst deinen Mitarbeitern, dass du an diesem oder jenem Nachmittag zur Verfügung stehst. Denn wenn ich weiß, dass mein Chef zu bestimmten Zeiten ansprechbar ist, dann kann ich als Mitarbeiter auch mal einen Tag warten, weil ich die Gewissheit habe, morgen werde ich mein Anliegen vortragen können.

Du merkst es schon, es gibt dafür kein Patentrezept. Ich glaube, es ist Aufgabe einer jeder Führungskraft, das für sich zu definieren, zu schauen, wie viel möchte ich in diesem Reaktionsmodus des Mangers arbeiten? Wie viel braucht es auch, damit meine Abteilung und mein Team gut funktionieren, und in welchen Phasen brauche ich den Fokus, die Aufmerksamkeit auf ein einziges Thema, wo ich keine Störung gebrauchen kann?

Ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei, in den nächsten Wochen genau hinzuschauen, wie du diesen Unterschied Maker-Modus – Manager-Modus gut in deinen Alltag integrieren kannst. Es wird absolut spannend werden, das kann ich dir versprechen. Ich habe das vor Jahren sehr explizit gemacht, und es sind wahnsinnige Erkenntnisse, die man dabei gewinnt, wenn man feststellt, wann man in welchem Modus ist. Wie ist über die Woche gesehen meine prozentuale Verteilung, und ist das hilfreich, um mich als Führungskraft, um meine Abteilung, um das gesamte Unternehmen weiterzubringen? Und bei den meisten Führungskräften, die ich kenne, gibt es einen deutlichen Überhang im Manager-Modus, und fast alle melden mir nach ihrer Beobachtung über einen gewissen Zeitraum zurück, dass sie mehr Zeit für den Maker-Modus haben möchten. Und die, die es dann in ihrer Abteilung installiert haben, deren Mitarbeiter sind im Nachgang zu über neunzig Prozent sehr zufrieden damit, weil sie, wie schon gesagt, auch davon profitieren. Weil auch sie sich sicher sind, der Chef quatscht sie in dieser Zeit nicht an und sie können endlich, endlich mal in Ruhe arbeiten.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine ganz tolle Woche, viel Spaß beim Ausprobieren und auch nach Feierabend ganz viel Spaß mit deinen Kids und deiner Frau. Okay, bis dahin, dir eine gute Zeit. Dein Stefan Mantel.

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