Vorsicht: Fokusvernichtungsmaschine! In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ möchte ich mit dir über deine Fokusvernichtungsmaschine sprechen. Und ja, du hast eine Fokusvernichtungsmaschine, da bin ich mir so was von sicher!

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, der Podcast für Väter mit Führungsverantwortung. Hier bespreche ich mit dir Tipps und Strategien, wie du als Führungskraft und Vater abends alle beruflichen Aufgaben erledigt hast, so dass du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bei deiner Familie bist. Ich helfe dir, zufrieden mit deinem Leben zu sein, ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast zum Podcast. Ich weiß, wie wertvoll deine Zeit ist, und von daher weiß ich es wirklich zu schätzen, wenn du mit mir Zeit verbringst.

Heute möchte ich mit dir über deine Fokusvernichtungsmaschine sprechen. Und jetzt denkst du vielleicht, was hat der Mantel jetzt, raucht der heimlich merkwürdige Substanzen? Nein, das tut er nicht! Aber ich bin mir sicher, auch du besitzt eine Fokusvernichtungsmaschine. Was ist damit gemeint? Dein Smartphone! Bevor wir uns jetzt aber über Smartphones unterhalten, möchte ich dich noch ganz kurz, wirklich nur ganz kurz, zu meiner Challenge „Erfolgreich zufrieden: Deine perfekte Woche“ einladen. Die findest du unter stefanmantel.com/challenge. Einfach heute, vielleicht jetzt direkt kurz auf „Stopp“ drücken, auf die Seite gehen, dich eintragen, und beim nächsten Durchgang der Challenge bist du mit dabei, damit du nicht weiterhin der Beifahrer deines Lebens bist, sondern damit du wirklich zum Fahrer deines Lebens wirst.

Und jetzt kümmern wir uns um Handys und Smartphones, um die Fokusvernichtungsmaschinen. Es gibt eine spannende Untersuchung, der Name dazu: Alexander Markowetz, Junior Professor an der Uni Bonn, Junior Professor für Informatik, der hat eine Studie dazu gemacht, wie wir Menschen unser Smartphone nutzen. Und jetzt halte dich fest, wir Deutschen benutzen unser Smartphone durchschnittlich 88 Mal am Tag. Man muss zu unserer Ehrenrettung sagen, 35 Mal davon im Schnitt sind nur geringfügige Unterbrechungen unseres Alltags, zum Beispiel, wenn wir auf die Uhr unseres Smartphones schauen. Aber 53 Mal am Tag entsperren wir tatsächlich unser Smartphone, um E-Mails zu lesen, Nachrichten zu schreiben und WhatsApp zu lesen und zu schreiben. Und wenn man davon ausgeht, dass wir acht Stunden schlafen und in dieser Zeit wohl hoffentlich niemand sein Handy entsperrt, dann heißt das, dass wir, wenn wir wach sind, etwa alle achtzehn Minuten auf unser Handy schauen oder es entsperren. Das ist ein absoluter Wahnsinn!

Warum ist das ein Wahnsinn? Weil man weiß, dass wir eine gewisse Zeit brauchen, um überhaupt in die volle Konzentration hineinzukommen. Ich weiß nicht, ob dir der Begriff „Flow“ etwas sagt. Da geht es darum, wann sind wir so intensiv mit einer Beschäftigung verschmolzen, dass wir die Zeit vergessen und dass wir wirklich richtig produktiv sind? Da gibt es unterschiedliche Untersuchungen, aber man sagt, dass es im Schnitt fünfzehn Minuten braucht, bis wir einen solchen Flow-Zustand erreichen. Merkst du was? Wir brauchen fünfzehn Minuten, bis wir einen Flow-Zustand erreichen, und etwa alle achtzehn Minuten gucken wir auf dieses Handy, auf das Smartphone. Ich werde wahnsinnig! Schade um die Zeit, die wir mit diesem Handy vertrödeln. Aber das ist noch nicht einmal das Schlimmste. Das Schlimmste ist, wir fragmentieren unser Leben, und wir kommen kaum in einen Zustand, in dem wir wirklich produktiv arbeiten. Hinzu kommt noch beim Handy, dass wir es nicht nur anschalten, um mal zu gucken, könnte da etwas eingegangen sein oder dass wir denken, wir könnten mal eine WhatsApp schreiben. Noch viel schlimmer sind diese Push-Nachrichten. Ich weiß nicht, ob du noch den Wahnsinn betreibst und Push-Nachrichten aktiviert hast. Für diejenigen, die nicht wissen, was das ist: Dein Handy klingelt oder vibriert jedes Mal, wenn du eine Nachricht erhältst, und in manchen WhatsApp Gruppen ist dieses Ding auf Daueralarm.

Und was macht man? Natürlich behält niemand dieses Handy in der Hosentasche, wenn es vibriert. Das heißt, man ist ständig in einem Reaktionsmodus, und man hat niemals die Zeit, sich wirklich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Unsere Aufmerksamkeit wird immer wieder weggezogen von dem, was wir eigentlich gerade tun.

Jetzt sagst du vielleicht, „na ja, ich bin Führungskraft und Vater. Ich brauche ein Handy, weil ich bin wichtig!“ Du bist sicherlich wichtig, aber das Problem ist, bei diesen Untersuchungen hat man herausbekommen, dass kaum jemand mehr mit diesen Teilen telefoniert. Unsere täglichen Telefonate bleiben im Minutenbereich, während die Smartphone Nutzung im Stundenbereich ist. Was wird also damit gemacht? Das ist an erster Stelle WhatsApp, Facebook und die entsprechenden Spiele, ich weiß gar nicht, wie die genau heißen, aber diese Spiele, die man eben mal so fünf Minuten irgendwo spielen kann. Das heißt, wir sind in einem dauernden Interaktionsmodus mit Facebook und WhatsApp und haben niemals Ruhe, um irgendwo mit der Aufmerksamkeit anzukommen. Das Ganze ist vor allen Dingen auch deshalb gefährlich, weil es in etwa funktioniert wie ein Glücksspielautomat. Ich wohne in Berlin, das hast du vielleicht mitbekommen, und gar nicht weit von dem Haus, in dem ich wohne, gibt es eine Spielhalle. Ich schlage immer die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich die Menschen dort sehe. Sonntagsmorgens, wenn ich mit der Tochter zum Bäcker gehe, stehen die schon da und bedienen den Einarmigen Banditen oder was es dort alles so gibt. Ich sehe immer nur dieselben Leute, die dort stundenlang spielen. Und ich denke mir, wie verrückt ist das denn bitteschön?

Aber nichts anderes machen wir mit unserem Smartphone auch. Wir stehen da und gucken, „was ist denn angekommen? Ach, nur Werbung. Beim nächsten Mal ist es vielleicht eine wichtige Mail.“ Das ist genau derselbe Prozess, der bei einem Glücksspielautomaten abläuft. Da denkst du auch, „diesmal habe ich wieder verloren, aber beim nächsten Mal will ich gewinnen, und dann gewinne ich auch!“ Ich möchte nicht sagen, dass alle handysüchtig sind, und ich will die Smartphones auch gar nicht schlecht reden, aber in unserem Gehirn finden Prozesse statt, die denen sehr ähnlich sind, die Menschen erleben, wenn sie sehr häufig und sehr lange am Glücksspielautomaten stehen. Das heißt, vom kognitiven Verstehen her ist das Handyproblem, ähnlich wie die Glücksspielsucht, gar nicht zu lösen.

Was kannst du aber jetzt tun? Das ist die spannende Frage. Zum einen geht es natürlich darum, Kontrolle wieder zurück zu gewinnen. Das Problem ist, dass wir gar nicht genau wissen, wie häufig wir unser Smartphone tatsächlich benutzen. In dieser Untersuchung hat man die Menschen gefragt, „wie viel benutzt du dein Smartphone?“, und sie haben sich total verschätzt. Kaum einer von ihnen hätte gesagt, „so circa knapp neunzig Mal am Tag benutze ich es“. Wir liegen eher viel zu tief in unserer Wahrnehmung, denn wir benutzen das Smartphone sehr viel häufiger als angenommen. Wie kann ich die Kontrolle zurückgewinnen, wie kann ich mit dem Smartphone so umgehen, dass es für mich nützlich ist, so dass ich das Smartphone steuere und nicht umgekehrt?

Als Allererstes Tipp 1: Push-Mitteilungen ausschalten! Wenn du nicht gerade irgendeine Form von Rufbereitschaft hast, weil du bei der Polizei oder bei der Feuerwehr arbeitest, dann brauchen die Allerwenigsten diese Push-Mitteilungen. Zumindest die Push-Mitteilungen für E-Mails, Facebook, Instagram, WhatsApp und so weiter. Wenn wirklich etwas Wichtiges ist, dann können die Leute dich doch anrufen! Allein dieses Ausschalten der Push-Mitteilungen gibt dir sehr mehr Kontrolle zurück, denn jetzt entscheidest du, wann du deine E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten liest.

Zweiter Tipp: Wenn du im Gespräch mit Kollegen, Freunden oder wem auch immer bist: Handy aus, beziehungsweise zumindest nicht auf den Tisch legen. Es gibt dafür mittlerweile einen Kunstbegriff: „Phubbing“ heißt das. Es setzt sich aus den beiden englischen Wörtern „Phone“ und „snubbing“ zusammen, was so viel bedeutet wie „jemanden vor den Kopf stoßen“. „Phubbing“ bedeutet also, jemandem mit dem Gebrauch des Handys vor den Kopf zu stoßen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich mich mit jemandem unterhalte, und derjenige legt sein Handy auf den Tisch und geht dann immer noch ran, während wir im Gespräch sind, was will er mir damit wohl sagen? Ich mache daraus, „Mantel, du bist hier absolut uninteressant, und ich freue mich auf jeden Anruf, der reinkommt“. Abgesehen von „die Hütte brennt gerade“ auf der Arbeit, und du musst erreichbar sein. Aber das ist nicht jeden Tag so, denn sonst läuft sowieso etwas schief. Wenn du mit Leuten im Gespräch bist, überlege dir, ob du das Ding ausstellen oder zumindest nicht auf den Tisch legen kannst.

Dritter Tipp: Vibrationsalarm ist nicht wirklich „aus“, lautlos ist nicht wirklich „aus“. Wenn du das Handy am Körper trägst, bekommst du trotzdem mit, wenn eine Nachricht kommt, denn das ist der Sinn vom Vibrationsalarm. Und das ist dasselbe, als wenn du den Klingelton angeschaltet hättest. Die meisten Menschen werden dann schauen, welche Nachricht eingegangen ist. Und überlege auch da nochmal, wann kannst du wirklich abschalten, keine Vibration, kein Klingelton? Du schaust erst nach dem Gespräch aufs Handy, ob dich jemand angerufen hat.

Tipp 4: Für Besprechungen und Meetings. Im Meeting, wenn da alle Leute ihr Handy anhaben, dann kann irgendetwas nicht stimmen. Kann man bitte schön nicht beim Meeting die Regel aufstellen, wer nicht wirklich etwas ganz, ganz Dringendes erwartet, die Handys sind aus! Wie lange dauert ein solches Meeting? Das dauert doch nicht von morgens 08:00 bis abends 23:00 Uhr. Das dauert eine Stunde oder auch zwei Stunden. Und dazwischen macht man im Regelfall noch eine Pause, da kann meinetwegen jeder auf das Handy gucken. Aber überlege, ob es für dich Sinn macht, in den Besprechungen, die du leitest, anzusagen, dass die Handys ausgeschaltet bleiben. Das heißt aber auch, dass du als Chef, als Vorgesetzter das so vorlebst. Es funktioniert nicht, zu sagen, „meine lieben Mitarbeiter, macht mal bitte die Handys aus. Aber ich als wichtiger Chef, ich muss das Ding natürlich anlassen. Ihr wisst ja!“ Das werden die deine Leute wohl kaum abkaufen.

Und der fünfte Tipp, schaff dir handyfreie Zonen und handyfreie Zeiten. Zum Beispiel: Handyverbot im Schlafzimmer, handyfreier Sonntag oder handyfreier Sonntagnachmittag. Es geht mir nicht darum zu sagen, „nach Feierabend musst du das Handy ausschalten, am Wochenende darfst du kein berufliches Handy anhaben“, das ist Bullshit. Das ist häufig nicht realisierbar. Aber es reicht manchmal schon zu sagen, „in den nächsten zwei Stunden nehme ich mein Handy nicht mit“. Muss ich mein Handy wirklich mitnehmen, wenn ich mit meinem Kind eine Stunde auf den Spielplatz gehe? Ich glaube nicht, also ich zum Beispiel bin nicht so wichtig.

Das sind fünf ganz einfache Tipps, um wieder etwas mehr Kontrolle zu erlangen und dir nicht den Fokus vernichten zu lassen von dieser Fokusvernichtungsmaschine. Lass mich eben noch einmal kurz zusammenfassen: Push-Mitteilungen ausschalten. Wenn du im Gespräch bist, Handy aus und zumindest nicht auf den Tisch legen. Vibrationsalarm – genau gucken, das bedeutet nicht, dass du nicht erreichbar bist. Probiere, den Vibrationsalarm sowie den Klingelton auszuschalten. Im Meeting Handy aus für alle Beteiligten. Und schaff dir handyfreie Zonen und handyfreie Zeiten. Und da kommt es gar nicht auf die Quantität an, sondern einfach darauf, dass du es machst.

Das war eine ganz schön lange Episode. Wir haben die fünfzehn Minuten um vierzig Sekunden überschritten. Von daher möchte ich jetzt nicht weiter deine Zeit beanspruchen. Ich danke dir, dass du mir bis zum Ende zugehört hast. Ich wünsche dir eine tolle Woche, und wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin dir eine gute Zeit.