In dieser Episode von „Führung ist ein Kinderspiel“ möchte ich mit dir darüber sprechen, warum du dir heute als Vater und Führungskraft ein völlig anderes Verhalten aneignen musst als eines, das vor zwanzig Jahren sinnvoll gewesen ist.

Willkommen zu „Führung ist ein Kinderspiel“, dem Podcast für Väter in Führungspositionen. Hier bespreche ich mit Tipps und Strategien, wie du als Führungskraft und Vater abends keine beruflichen Aufgaben unerledigt hast, so dass du pünktlich zum Abendbrot zu Hause bist. Ich helfe dir, zufrieden mit deinem Leben sein, ohne Angst haben zu müssen, auf dem Sterbebett etwas zu bereuen.

Hallo und herzlich willkommen, hier ist Stefan Mantel von stefanmantel.com. Ich freue mich, dass du auch dieses Mal wieder eingeschaltet hast. Ich möchte noch einmal kurz auf meine Challenge „Erfolgreich zufrieden“ hinweisen. Mit dieser Challenge „Erfolgreich zufrieden. Deine perfekte Woche“ möchte ich dir ein Tool an die Hand geben, das es dir ermöglicht, einen Schritt aus dem täglichen Klein-Klein herauszutreten und einmal von oben auf dein Leben zu schauen. Du bekommst Klarheit darüber, wie ein Leben aussieht, in dem du beruflich erfolgreich bist und trotzdem Zeit für deine Kinder hast. Das Ganze ist absolut kostenlos für dich. Gehe jetzt auf meine Seite www.stefanmantel.com/challenge und trage dich ein, damit du beim nächsten Durchgang mit dabei bist.

Nun lass uns einsteigen in unser Thema von heute. Was hast du gemeinsam mit dem Fressverhalten Siamesischer Kampffische? Lass uns mal so anfangen, was sind Siamesische Kampffische überhaupt? Sie stammen ursprünglich von den Reisfeldern Malaysias und Thailands. Und im frühen 19. Jahrhundert besaß der König von Siam, daher der Name, eine große Sammlung dieser Fische. Er hatte Freude daran zu wetten, wer bei den Kämpfen der Männchen untereinander gewann und wer unterlag. Auch heute sind diese Fische relativ bekannt, nicht, um irgendwelche Kämpfe auszufechten, sondern einfach, weil sie von ihren Farben her relativ gut aussehen. Deshalb lieben Aquarienbesitzer diese Fische. Faszinierend ist der Appetit, der Hunger dieser Fische. Sie fressen nämlich, was das Zeug hält, was du ihnen gibst, wird aufgefressen. Sie haben nicht wie wir ein Hungergefühl, das irgendwann gestillt ist, sondern sie fressen immer, immer weiter. Gäbe man ihnen genug zu essen, würden sie sich zu Tode fressen.

Jetzt kann man sich fragen, wie panne ist das denn, bitteschön? Man muss wissen, wo sie herkommen und wie die Gewässer waren, in denen sie ursprünglich gelebt haben. Das waren Gewässer, in denen es eher wenig zu essen gab, wo Essen Mangelware war. Und wer hat überlebt? Na ja, natürlich derjenige, der alles, was nicht niet- und nagelfest war, aufgegessen hat. In so einer Umgebung ist solch ein Verhalten natürlich absolut hilfreich und überlebensnotwendig.

Was hast du mit diesem Fressverhalten zu tun? Unser Umgang mit Informationen, mit Aufgaben, mit To-do’s ist ein ähnlicher. Dazu muss man sagen, auch unsere Geschichte, die Geschichte der Menschheit, war geprägt von Knappheit, von Ressourcenmangel und Wissensmangel. Das waren wahnsinnige Einschränkungen, aber letztendlich haben sie uns auch einen gewissen Schutz geboten. Heute, seit etwa roundabout zwanzig Jahren, leben wir in einer Zeit des fast grenzenlosen Wissens, des fast grenzenlosen Ausgeliefertsein einer Reizüberflutung. Unser Gehirn ist über zwei Millionen Jahre alt, so lange gibt es den Homo Sapiens schon. Und diese Überflussgesellschaft und den Informationsüberfluss, die gibt es seit zwanzig Jahren. Wenn man dies in Relation sehen will, das wäre so, ein Jahr ist vorüber, es ist kurz vor Sylvester, das ganze Jahr über gab es Informationsarmut, Informationsmangel, und in den letzten vier Sekunden dieses Jahres, in den letzten vier Sekunden vor Zwölf, gibt es plötzlich einen Überfluss. Und man stelle sich vor, wie überfordert man damit wäre, und wie wenig man sich darauf einstellen kann. Ein Jahr im Vergleich zu vier Sekunden.

Und dann ist es auch ganz logisch, warum wir so reagieren, wie wir reagieren. Wir konsumieren, was wir können, wir gucken, was wir alles an Informationen in uns hineinschaufeln können. Ich denke, jedem ist klar, dass das nicht mehr hilfreich ist. Das heißt, die Kompetenz, Entscheidungen und Auswahlentscheidungen zu treffen und sich selbst zu begrenzen, wird eine der Kompetenzen sein, die in dieser neuen Welt hilfreich sind. Es geht also darum, eben nicht mehr alles zu nehmen und an diesem Übermaß zu ersticken oder zu versterben. Denn das ist genau das, was viele von Vätern, von uns Führungskräften erleben, wir sind eigentlich unter Dauerstrom. Wir sind dauerbusy. Hier ist noch was, hier will ein Kollege was, dann kommt da noch eine Info rein, da noch eine Mail, dort noch was im Newsfeed, hier wieder etwas über das firmeninterne Netzwerk. Dann klingelt noch das Telefon, ein Kollege kommt auch noch rein, und dann ruft die Frau an. Und wir sind eigentlich kaum noch handlungsfähig. Einzeln betrachtet sind das alles gute Sachen, allerdings in der Summe nicht mehr.

Ich weiß nicht, ob du dich noch an den Schulunterricht erinnerst, als es diese Tuschkästen mit vielen Farben gab. Und es gab die Cracks, die gemeint haben, wenn sie alle Farben mischen, dann kommt etwas richtig Geiles dabei raus! Ich dachte das auch mal. Falls du das auch einmal gemacht hast, erinnerst du dich dann noch an das Ergebnis? Der Farbton bewegt sich zwischen tristem Grau und Kackbraun. Und so ist das auch im wirklichen Leben. Es sind im Einzelnen vielleicht gute Sachen, die Spaß machen, es sind Informationen, die alle auch halbwegs wichtig sind oder vielleicht sogar sehr wichtig, aber in der Summe blockieren sie und machen das Leben eher grau bis braun und eben nicht spannend und interessant.

Und tatsächlich gibt es beim Essverhalten der Menschen einen ähnlichen Effekt wie beim Fressverhalten dieser Kampffische. Es gibt eine spannende Untersuchung, die möchte ich dir kurz erzählen. Man hat Menschen in ein Kino gesetzt und ihnen Popcorn geschenkt, und zwar ein Popcorn, das widerlich war. Es war wahrscheinlich fünf Tage alt. Da würde jeder sagen, „alter Schwede, kannst du gar nicht essen!“ Man hat es den Leuten geschenkt, sie in das Kino gesetzt, und der Trick war, man hat ihnen unterschiedlich große Becher Popcorn gegeben. Nachher hat man geguckt, wieviel Popcorn die Leute gegessen hatten. Und je größer diese Becher waren, desto mehr haben die Leute gegessen. Und das waren keine doofen Leute, es waren eher Leute, die im Vorfeld gesagt haben, dass sie nicht auf Werbetricks hereinfallen. Aber auch ihnen ist es nicht gelungen, ihr Essverhalten wirklich zu steuern. Je mehr da ist, umso mehr konsumieren wir. Und das gilt sowohl für Popcorn als auch für den Umgang mit Informationen.

Was heißt das jetzt konkret für dich? Wie kannst du das in den Griff kriegen? Für dich heißt es, mach dir mal Gedanken darüber, was du nicht mehr essen möchtest, obwohl es vor deiner Nase schwimmt. Welche Informationen brauchst du nicht wirklich? Brauchst du einen Newsticker, der den ganzen Tag durchläuft? Musst du, wenn du wie ich öfter mal in der U-Bahn sitzt, den „U-Bahn-Funk“ anschauen? Das sind die Bildschirme, auf denen Informationen gesendet werden, die niemanden interessieren. Und trotzdem schauen alle hin. Welche Kontakte brauchst du vielleicht nicht mehr? Welche Freiräume lässt du dir, in dem Sinne, dass du entscheidest, wann du keine Mails liest? Wann habe ich mein WhatsApp deaktiviert? Brauche ich den Klingelton, so dass mich jede eingehende WhatsApp immer wieder herausreißt? Das ist ähnlich wie bei den Fischen, da schwimmt ein schimmliger Regenwurm vorbei, und schwupp, schnappen sie zu. Du machst es nicht anders. Es klingelt, und zack, du schaust drauf. An welchem Meeting möchtest du nicht mehr teilnehmen, weil es dich nicht mehr weiterbringt? Welche Newsletter stellst du ab, von denen, die wöchentlich in dein Postfach kommen?

Du stellst dir in einer ruhigen Minute die Frage, was möchte ich an Informationen nicht mehr „essen“? Du wirst erstaunt sein, was da alles zusammenkommt. Und das nächste Mal, wenn du dein Handy nimmst, weil eine WhatsApp oder eine Mail gebingt hat, dann denke mal an diesen Siamesischen Kampffisch, der nach einem schimmligen Regenwurm schnappt. Du machst es letztendlich nicht anders.

Okay, in diesem Sinne wünsche ich dir eine ganz tolle Woche. Mach es gut, und wir hören uns in der nächsten Woche wieder. Bis dahin, dein Stefan Mantel.